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Die Psychologie der Manipulation - von Hochstapelei, Betrug und Gaslighting

Am 16. Oktober öffnete die Stadthalle Ahlen um 19.30 Uhr ihre Pforten für Kriminal-Begeisterte und Hobby-PsychologInnen.

Lydia Benecke – deutsche Diplom-Psychologin, Kriminalpsychologin und Autorin populärwissenschaftlicher Sachbücher, bekannt aus TV-Formaten wie „Aktenzeichen XY… ungelöst“, „ARD Crime Time“ und „Anwälte der Toten“ – hielt ihren seit Monaten angekündigten Vortrag aus der Welt der forensischen Kriminologie.

Mit deutlichem Frauenüberschuss füllten sich nach und nach über 400 Plätze des großen Saals. Auf der Bühne wartete rechts neben der Leinwand ein gemütlicher Ohrensessel, von dem aus die Wissenschaftlerin vier Stunden lang das aufmerksame Publikum begeisterte.

In ihrem Vortrag widmete sie sich einem Phänomen, das im Alltag oft unterschätzt wird: „Die Psychologie der Manipulation – von Hochstapelei, Betrug und Gaslighting“. Ob Hochstapler, Betrüger oder Blender – das wichtigste Werkzeug von Manipulatoren sei die gezielte Steuerung menschlicher Gefühle.

Wer Emotionen kontrolliert, kann Entscheidungen beeinflussen. Die Beweggründe reichen dabei von Aufmerksamkeit und Zuwendung über religiöse Überzeugungen bis hin zu finanziellem Vorteil und Status. Unabhängig von Bildung, Alter oder Lebenserfahrung kann jeder Mensch manipuliert werden, wenn die richtigen psychologischen Knöpfe gedrückt werden.

Zum Einstieg animierte die Psychologin das Publikum zu einem Selbsttest:
Mehrere Persönlichkeitsaussagen sollten danach bewertet werden, wie stark sie auf einen selbst zutreffen. Das Ergebnis spiegelte sich in vielen erstaunten Gesichtern wider – die Aufklärung über Herkunft und Ziel des Tests sollte jedoch erst später folgen.

Im weiteren Verlauf wies Lydia Benecke ausdrücklich auf die Risiken der Fehlannahme hin, Lügen ließen sich an Körpersprache oder Mimik erkennen. Besonders bei der Aufklärung von Straftaten führten solche Mythen schnell zu menschlichen Tragödien.

Anhand konkreter Fallbeispiele erläuterte die 43-Jährige die vielfältigen Methoden verdeckter Machtausübung und räumte mit einem weit verbreiteten Irrtum auf:
Wer sich für immun gegen solche Taktiken hält, gerät besonders leicht in die Falle.
Ein wirksamer Schutz vor emotionaler oder materieller Ausbeutung sei nur möglich, wenn man die dahinterstehenden psychologischen Mechanismen versteht. In diesem Zusammenhang wurden unter anderem der Halo-Effekt, der Barnum-Effekt, der Bestätigungsfehler sowie destruktive Manipulation und emotionale Abhängigkeit anschaulich vermittelt.

Frau Benecke engagiert sich in beeindruckend vielen Bereichen für die wissenschaftliche Aufklärung & Skeptizismus, Jugendschutz, Opferschutz und die Prävention von Gewalttaten. In diesem Kontext verwies Sie auf verschiedene Organisationen und Online Formate wie z.B. GWUP, WTF-Talk und SMJG e.V. . Ein zentrales Anliegen ist ihr die Aufklärungsarbeit gegen Verschwörungsmythen und Aberglauben.

Zum Ende des Vortrags ließ Frau Benecke schließlich die Bombe platzen:
Der anfängliche Selbsttest stammte vom Psychologen Bertram R. Forer, der ihn bereits 1948 seinen Studierenden vorgelegt hatte. Damals wie heute fanden sich die Teilnehmenden zu einem erstaunlich großen Teil in den Aussagen wieder – womit die erste Tür zum Vertrauen geöffnet war. Den Reaktionen im Saal war anzumerken, dass mancher Gast seine ursprüngliche Selbsteinschätzung zur eigenen Immunität noch einmal kritisch hinterfragen musste.