The Analogues: „Ganz in Weiß in Essen!“

Man kann es gar nicht oft genug sagen: „Die Analogues sind nicht nur eine Beatles-Cover-Band.“ Die niederländische Formation zelebriert da schon eher die Musik der FabFour. Einmal mehr bewies die Band das am gestrigen Abend in Essen.

The Analogues in Essen

"Ob-La-Di, Ob-La-Da"

"Piggies"

"Revolution 1"

The Analogues in Essen

Nein, wir waren nicht im Abba-Musical...

Dort sind die Musiker bereits im vergangenen Frühjahr aufgetreten und verzauberten das Publikum mit ihrem „67er“-Programm. Schon damals verabschiedeten sich die Analogues mit den Worten, sie würden mit dem „White Album“ zurück nach Essen kommen. Jetzt war der Tag gekommen, und rund 1.400 Interessierte füllten das Colosseumtheater für eine ganz besondere musikalische Reise: Das 1968 veröffentlichte Doppel-Album der Beatles vom ersten bis zum letzten Ton… oder vom Brausen der Flugzeugmotoren im Opener „Back In The USSR“ bis hin zum letzten schmalzigen Streicher in „Good Night“. 30 Songs, die eindrucksvoll die Vielseitigkeit von John, Paul, George und Ringo belegen und die nach dem stimmigen „Sgt. Pepper`s“-Werk des Jahres 1967 klingen wie eine bunte Tüte Musik.

Das Projekt „Analogues“ hat sich vor fünf Jahren zum Ziel gesetzt, die Musik der Beatles mit den Original-Instrumenten jener Zeit in den 60er Jahren live auf die Bühne zu bringen. Allesamt Songs, die die Beatles selbst nicht live gespielt haben, und schnell wird auch an diesem Abend in Essen klar, dass das mit nur vier Musikern nicht zu schaffen ist. Teilweise stehen bis zu 15 Personen auf der Bühne, um detailverliebt den Sound der FabFour ins Jahr 2019 zu transportieren. Zwei Trucks fahren die Technik und die dazugehörige Instrumentensammlung zu den Auftrittsorten, und neun Techniker sorgen für den reibungslosen Ablauf des Programms.

Viele im Publikum haben die Band auch schon im Vorjahr in Essen gesehen, dazu kommen viele treue Fans aus den Niederlanden… der Heimat der Analogues. Das Colosseum dürfte ausverkauft sein, und diejenigen, die sich dort in den roten Sesseln niedergelassen haben, sind keineswegs nur Fans der Generation „mindestens Ü65“. Die Musik der Beatles lockt auch über 50 Jahre nach dem „Weißen Album“ junge Menschen und belegt dadurch die Zeitlosigkeit dieser Musik. Das „White Album“ in einem Rutsch – musikalisch authentisch und perfekt – in dieser Form durchzuspielen, ist einzigartig (zumindest kenne ich nichts Vergleichbares). Es mag Menschen im Saal geben, die die Beatles noch live gesehen und sicherlich im Laufe der Zeit die eine oder andere Beatles-Cover-Band erlebt haben, aber an diesem Abend gibt es Songs im Programm, die die meisten live so noch nie erleben durften. Von Seite 1 der Doppel-LP z.B. „Glass Onion“, „Wild Honey Pie“, den „Bungalow Bill“ oder „Happiness Is A Warm Gun“. Der manchmal nervige Gassenhauer “Ob-La-Di, Ob-La-Da” lässt aber nachweislich die Stimmung im Saal erstmals steigen. Den meisten Beifall holt sich aber Gitarrist Jac Bico für sein eindrucksvolles Solo in „While My Guitar Gently Weeps“ ab.

Seite 2 beginnt mit dem verspielen „Martha My Dear“, bei „Blackbird“ sind lediglich Gitarrist und Sänger Diederik Nomden und Drummer Fred Gehring auf der Bühne, im Hintergrund flattern „Blackbirds“ über die Videowand und zum guten Schluss „zwitschert“ ein weiterer Mitmusiker das Vögelchen. Mit George Harrisons Komposition „Piggies“ – gesungen von Bart van Poppel – halt sich die Band natürlich an ihre musikalische Vorgabe, doch auf der Videowand gelingt der Sprung in die Gegenwart, als sich das „Piggie“ in den derzeitigen US-Präsidenten verwandelt. Mit „Julia“ - von Felix Maginn mit Unterstützung von Bart van Poppel emotional vorgetragen - geht es dann in die Pause… Zeit, sich die zweite LP des Doppelalbums zurecht zu legen.

Im Jahr 2018 mussten die Analogues krankheitsbedingt (Tinnitus) auf Jan van der Meij verzichten. Er ist in der Band für den „lauten McCartney“ zuständig und somit u.a. für „Birthday“, „Everybody`s Got Something To Hide Except Me And My Monkey“ oder „Helter Skelter“. Im vergangenen Jahr übernahm Max Buskohl diesen Part, diesmal ließ es sich Jan aber nicht nehmen und kam für diese Songs mit Kopfhörern ans Mikro. Bevor der aber mit den anderen mit „Helter Skelter“ das Dach vom Colosseum wegpusten darf, zeigt einmal mehr Diederick Nomden, was er stimmlich drauf hat… binnen weniger Sekunden von Lennons „Yer Blues“ zu McCartneys „Mother Nature`s Son“ zu wechseln, ist ganz große Sangeskunst.

Dann schließlich Seite 4 des „weißen Doppels“… beginnend mit „Revolution 1“ über „Honey Pie“, gesungen von Drummer Fred Gehring und bis ins Detail ins vorgegebene musikalische Gewand gehüllt, und „Savoy Truffle“. Bevor die Analogues dann „Cry Baby Cry“ spielen, ergreift Fred Gehring das Wort und erklärt, dass die Analogues alle Songs der Beatles originalgetreu live aufführen würden, aber, dass sie „Revolution 9“ vor ein Problem stellt. Das 8:20-Minuten-Werk ist eine Toncollage, und so wird diese dann – komplett neu zusammengesetzt durch Bart van Poppel – auf der Videowand präsentiert oder wie Fred sie ankündigt: „Revolution 9 – The Movie“! Gut gelöst, meine Herren!

Schlusspunkt ist schließlich – wie auf dem „White Album“ auch – das schmalzig schöne „Good Night“, zu dem sich alle Beteiligten auf der Bühne einfinden, und mit dem Schlussakkord stehende Ovationen des Publikums abholen. Die Vinyl-Fachzeitschrift „MINT“ betitelt in ihrer letzten Ausgabe die Version des „White Albums“ durch die Analogues mit den Worten „Weißer geht`s nicht“ – und das kann man nur unterschreiben.

Auch das Zugaben-Set der Niederländer ist bester Sound und sorgt nochmals für einen Höhepunkt: „Hey Bulldog“, „I Am The Walrus“, „Penny Lane“ und schließlich der finale Teil des „Abbey Road“-Medleys, sind der beste Trailer für das nächste Projekt der Analogues: Die Aufführung von „Abbey Road“. Und auch darauf dürfen wir uns in Deutschland – und wieder in Essen – freuen, denn laut Fred Gehring werden die Analogues mit diesem Programm im Herbst 2020 durch die Lande touren… ich weiß schon, wer wieder dabei sein wird.

www.theanalogues.net