Struwwelpeter reloaded

Musikalisches Kabarett von und mit Sarah Hakenberg am Mittwoch, 13. Februar im Kurhaus Bad Hamm: „Denn sonst kommt leider schon bald der Schneider und schneidet dir, schnipp schnapp, die kleinen Finger ab. So kriegst du passend - wenn auch erblassend - zur Handyapp ein Handicap."

Sarah Hakenberg in „Struwwelpeter reloaded“ (© Agentur Tempelmann)

Auch über 170 Jahre nach seinem ersten Erscheinen hat der "Struwwelpeter" nichts von seiner Aktualität verloren – ganz im Gegenteil. Sarah Hakenberg überträgt die Geschichten in die heutige Zeit: Statt des Zappelphilipps erklingt die Hymne von der Ritalin-Aline, Hans-guck-in-die-Luft verwandelt sich in Mandy-guck-aufs-Handy, das fröhliche Kinderfest der NPD löst die Geschichte von den schwarzen Buben ab, und der Suppenkasper erscheint als draller Kalle, der auf dem Spielplatz versehentlich in der Röhrenrutsche steckenbleibt. Stets treuherzig lächelnd sitzt Hakenberg am Klavier und haut ihrem Publikum kleine gemeine Gassenhauer um die Ohren, die vor messerscharfem und diabolischem Witz nur so sprühen. Bitterböse Ironie, garantiert pädagogisch wertfrei und urkomisch. Zielgerichtet, unverschämt intelligent und unwiderstehlich dreist – schwarze Balladen par excellence.

1978 während des Kölner Karnevals gezeugt und mit 1 ½ Jahren nach Bayern verschleppt, feiert Sarah Hakenberg 1987 ihren ersten Schauspieltriumph als Maria im Krippenspiel. Warum ihre Bewerbungen an diversen Schauspielschulen Ende der 1990er-Jahre schließlich erfolglos blieben, ist bis heute ungeklärt. Stattdessen studiert Sarah "zum Trost" Theaterwissenschaft, Philosophie und Neuere deutsche Literatur in München. Während des Studiums beginnt sie mit dem Schreiben, nimmt an Poetry-Slams teil – und hat Erfolg. Neben Auftritten wird Hakenberg selbst Gastgeberin bei "Sarahs Dienstag" im Münchner Oblomow. Sie erweitert ihr Programm musikalisch mit Klavier und Gesang, auch die Kritik wird aufmerksam: 2014 gewinnt sie den Münchner Ernst-Hoferichter-Preis, 2015 den Deutschen Kabarettpreis (Förderpreis).

Zu ihrem Auftritt im Hammer Kurhaus am Mittwoch, 13. Februar, um 19.30 Uhr hat sie es nicht so weit – seit drei Jahren wohnt die Künstlerin mit ihrer Familie in Warburg.

Nicht verpassen: Tickets für den „Klavierabend der etwas anderen Art“ gibt’s beim städtischen Kulturbüro, allen Eventim-Vorverkaufsstellen und im Web-Shop unter www.hamm.de/kultur