Crossover Bagdad – Köln: Ein Streichkonzert der besonderen Art

Im Frühlingsmonat März bleibt der Klangkosmos in hiesigen Gefilden, da beide Musiker mittlerweile in Deutschland leben. Trotzdem geht die Reise am 19. März (18 Uhr, Lutherkirche) auch in die Ferne, genauer gesagt den Orient – bringt Djoze-Spieler Bassem Hawar doch Klänge aus seiner Heimat Irak zu Gehör.

Bassem Hawar & Albrecht Maurer (Foto: Nathalie Daligaux)

Die Seidenstraße brachte das Streichinstrument aus Indien über den arabischen Raum nach Europa. Die Vielfalt ist groß, allein Abbildungen der einzelnen Instrumente, die entlang des berühmten Handelsweges gespielt wurden und bis heute noch werden, füllen problemlos ein ganzes Buch. Beim spannenden Klangkosmos-Crossover von Bagdad nach Köln spielen die beiden Meistermusiker Albrecht Maurer und Bassem Hawar Streichinstrumente aus Ost und West, für die die sie eigene Kompositionen geschaffen haben. So verwandt die Tonerzeugung auch sein mag, so unterschiedlich sind doch Klang, Ornamentik und die musikalische Sozialisation. Maurer und Hawar begeben sich auf Spurensuche in ihrer jeweiligen musikalischen Heimat, dabei begegnen sich Archaisches, Klassik und Zeitgenössisches aus Orient und Okzident.

Traditionell wird die irakische Djoze aus einer halben Kokosnuss hergestellt, ihre Öffnung mit einer Fischhaut oder Rinderherzmembran verschlossen. Bassem Hawar baut seine Instrumente selbst und entwickelte sie so weiter, dass er arabische und europäische Musik spielen kann. Nach seinem Entwurf werden heute Instrumente als "Bassems Djoze" gebaut.

Albrecht Maurer spielt eine gotische Fidel mit fünf Saiten, die nach mittelalterlichen Fresken rekonstruiert wurde und mit Naturdarmsaiten gespielt wird. Sie hat als Besonderheit eine doppelte D-Saite, um einen durchgehenden Bordunklang zu erzeugen.

2015 trafen sich Maurer und Hawar erstmalig zu einem gemeinsamen Konzert, das schnell von weiteren Gastspielen – Höhepunkt war ein Konzert im Kölner Dom im September 2016 – gefolgt wurde. Jetzt sind sie mit insgesamt 11 Konzerten im Klangkosmos unterwegs.

Der Geiger und Komponist Albrecht Maurer studierte Violine an der Musikhochschule Köln und ist einer der namhaftesten Interpreten mittelalterlicher Musik. Aber auch im Bereich Neuer Musik und experimentellem Musiktheater ist er versiert, sammelte zahlreiche Erfahrungen durch die intensive Zusammenarbeit mit mehreren Komponisten aus der Schule Mauricio Kagels. Maurer lässt sich nicht festlegen, arbeitet mit internationalen Musikern verschiedener Genres und Ensembles zusammen und konzertiert weltweit. Er wirkte in über 60 Rundfunk-Produktionen mit und veröffentlichte zahlreiche CDs.

Bassem Hawar studierte am Konservatorium in Bagdad die irakische Spießgeige Djoze (was so viel wie "Nuss" bedeutet) und spielte danach im staatlichen Sinfonieorchester und mit verschiedenen anderen Ensembles. Seit 2000 lebt er in Deutschland und ist sowohl solistisch wie mit zahlreichen Gruppen unterschiedlichster Musikrichtungen (klassisch-irakisch, europäisch-mittelalterlich, Flamenco, Jazz) unterwegs. 2006 gewann er den creole Wettbewerb in NRW, zwei Jahre später den Bundeswettbewerb.

Das Konzert von Bassem Hawar und Albrecht Maurer beginnt um 18 Uhr in der Lutherkirche (Martin-Luther-Straße 27b, 59065 Hamm), der Eintritt ist wie immer frei!