Axel Prahl zurück in Schwerte

Wiedersehen macht Freude – Wiederhören auch! Mit einem Sondergastspiel im Rahmen der Schwerter Kleinkunstwochen kehrte Axel Prahl mit seinem Inselorchester am 20. Februar in die ausverkaufte Rohrmeisterei nach Schwerte zurück.

Dort hatte der Schauspieler und Sänger mit seinem Orchester bereits im Jahr 2016 das Publikum so begeistert, dass es ihn zum Träger des Schwerter Kleinkunstpreises kürte. Ein Jahr später – 2017 – kehrte Prahl mit seinem musikalischen Gefolge nicht nur zurück nach Schwerte, um den Preis entgegen zu nehmen, sondern auch um ein weiteres Konzert zu spielen. Damals noch mit nur einem Album im Gepäck, so dass er zweimal das gleiche Programm auf die Bühne der Rohrmeisterei brachte. Axel Prahl begeisterte aber damals nicht nur das Publikum, sondern auch das Team vom Schwerter Kulturbüro sowie die Sponsoren des Kleinkunstpreises, und so bastelten alle gemeinsam daran, die zehnköpfige Musikerschar erneut in die Rohrmeisterei zu holen. 2020 aber nicht als Kandidat für die Verleihung des 64. Schwerter Kleinkunstpreises, sondern als – wie eingangs geschrieben – Sondergastspiel.

Mit dem schwungvollen „Heute versauf ich die Heuer“ startet Axel Prahl dann in den fast dreistündigen Abend (einschl. einer Pause). Der Song ist ein Titel aus seinem neuen Album namens „Mehr“. Für Prahl bei seiner Begrüßung eine Steilvorlage: „Das neue Album heißt MEHR, das erste hieß BLICK AUFS MEHR, das nächste dann wahrscheinlich NOCH MEHR und das letzte NIX MEHR!“ Fakt ist aber, dass sich beide Alben mit ihren Songs im aktuellen Programm hervorragend ergänzen. Dabei bilden seine „Seemannslieder“ wie z.B. „Der Kapitän“, „Blick aufs Mehr“, „Reise, Reise“ oder „Da brennt ein Boot“ einen erkennbaren roten Faden auf der Setlist.

Der Schreiber dieser Zeilen durfte Axel Prahl & das Inselorchester in den vergangenen fünf Jahren viermal live erleben und muss eindrucksvoll feststellen, dass sich das sowieso schon immer perfekte Zusammenspiel der Musiker und Musikerinnen inzwischen noch weiter perfektioniert hat. Die Inszenierungen der Songs, die auf beiden Alben schon sehr detailverliebt klingen, entfalten live erst recht ihre musikalischen Blüten. Da macht das Zuhören und Durchstreifen verschiedenartigster Musikstile mit den Künstlern richtig Spaß.

Nur einmal wird es an diesem Abend in Schwerte nicht ganz so perfekt… ausgerechnet der Song „Ritual“ beweist, dass er noch nicht so sehr Ritual von Axel Prahl ist. Nach zwei kleinen Fehlern stoppt Prahl sein Orchester und startet den Titel noch einmal.

Nach einer guten Stunde und immer noch wippenden Füßen nach der „Polonaise Internacional“ ist Pause… und die dauert einige Minuten länger als vorgesehen. Der Grund ist ärgerlich: Gitarrist Johannes Feige ist im Backstage-Bereich seine Jacke mitsamt Handy und Hotelschlüssel gestohlen worden. So etwas muss nicht sein, und da kann an diesem Abend auch kein singender Tatort-Kommissar helfen.

Die Reise durch Rock, Jazz, Tango, Chanson, Klassik und gar Moritat nimmt im zweiten Teil des Konzertes schnell wieder Fahrt auf. Dass es von Vorteil ist, wenn man Schauspiel und Musik gleichermaßen gut beherrscht, beweist die Darstellung von „Da brennt ein Boot“. Diese Inszenierung gelingt so eindrucksvoll, dass das Publikum einen Moment inne hält, ehe es dann den Vortrag mit lautem Beifall honoriert. Es folgen viele weitere lohnenswerte Momente… für mich auf jeden Fall der Raus-aus-dem-Hamsterkäfig-Song „Heute fang ich an“ sowie zwei meiner Favoriten aus dem ersten Album „Weitergehn“ und „Liebe hat mir den Tisch gedeckt“.

Erst nach den Zugaben „Lass uns fliehn“, „Da brennt noch Licht“ und „Gib mir Zeit“ (mit einer wieder einmal vorzüglichen Christiane Silber im Background) neigt sich ein abwechslungsreicher Abend in Schwerte seinem Ende entgegen.

Für Axel Prahl und sein Inselorchester steht nun eine kleinere Pause an. Erst für Juni sind die nächsten Konzerte geplant. In unsere Nähe kommt er erst am 28. August wieder, wenn ein Auftritt beim Zeltfestival Ruhr in Bochum ansteht. Da Axel Prahl angekündigt hat, im Jahre 2021 eine Pause einzulegen, wird es keine Konzerte geben. „Keine Angst, den Tatort drehe ich… aber mehr nicht“, verrät er seinen Plan für das nächste Jahr.

Übrigens, bis Schwerte ist es von Hamm aus gar nicht so weit und die 64. Schwerter Kleinkunstwochen laufen noch bis zum 14. Mai. Fahrt mal rüber – das aktuelle Programm findet Ihr unter: www.schwerter-kleinkunstwochen.de

Das Inselorchester sind:
Danny Dziuk (Musikalischer Leiter, Keyboards, Gitarren, Gesang u. Backing Vocals)
Nicolai Ziel (Drums)
Tom Baumgartner (Bass, Kontrabass, Backing Vocals)
Johannes Feige (Gitarren, Backing Vocals)
Jörg Mischke (Orgel, Keyboards, Akkordeon, Backing Vocals)
Thomas Keller (Saxophon, Klarinette)
Rainer Korf (Violine)
Christiane Silber (Bratsche, Backing Vocals)
Sylvia Eulitz (Cello, Backing Vocals)

Playlist am 20. Februar 2020 in Schwerte:
Heute versauf ich die Heuer
Wenn 2 (zueinander passen)
Der Kapitän
Wilde Welle
Blick auf`s Mehr
Ritual
Bla Bla Bla
Für ein Amt
Polonaise Internacional
Pause
Alle Mann an Deck
Reise, Reise
Da brennt ein Boot
Besinn Dich
Zu laut gelacht
Herr Neugier und Madame Moral
Heute fang ich an
Das ist meine Frau
Weitergehn
Erbarme Dich unser
Liebe hat mir den Tisch gedeckt
Zugabe
Lass uns flieh`n
Da brennt noch Licht
Gib mir die Zeit

Weitere Fotos vom Konzert am 20.02.2020