ASV-Geschäftsführer Franz Dressel im Interview

Nach einem gelungenen Start zieht Franz Dressel, Geschäftsführer beim ASV Hamm-Westfalen, zum ersten spielfreien Wochenende ein Zwischenfazit. Im Interview mit Martin Bytomski verrät er, was gut läuft, wo noch Potenzial nach oben ist, blickt auf die Partie gegen Gummersbach in Dortmund und gibt auch persönliche Gedanken preis.

ASV-Geschäftsführer Franz Dressel im Interview (Foto: Henning Wegener)

Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf der Saison?
Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Ob die Vorbereitung, Pokal- oder Ligaspiele: Der Start ist uns sehr gut gelungen. Und Niederlagen wie in Essen oder Eisenach wird es auch zukünftig geben. Das ist kein Beinbruch und völlig normal. Die Liga ist sehr ausgeglichen und somit war es klar, dass wir nicht jedes Spiel gewinnen werden. Entscheidend ist, dass die Mannschaft daraus lernt und sich verbessert.

Was läuft schon gut?
Die Zusammenarbeit zwischen den Torhütern und der Abwehr klappt hervorragend. Das ist unser Prunkstück. Es ist auch mit Blick auf die vergangene Saison eine deutliche Weiterentwicklung zu sehen, das zeigen auch die Statistiken. Ein Grund dafür ist die bessere Abstimmung. Unsere Schlussmänner wissen, wo sie stehen müssen. Die Absprachen mit der Verteidigung stimmen, das wirkt sich leistungsfördernd aus.
Und klar ist: Kommt ein Torwart gut ins Spiel und kann sich gleich zu Beginn durch gute Paraden auszeichnen, gibt das einen Schub für die gesamte Partie. Das machen wir richtig gut.

Wo siehst du noch Luft nach oben?
Luft nach oben ist immer. Es gehört einfach zum Sport dazu, sich nicht zufrieden zu geben, sondern immer mehr zu wollen, gierig zu bleiben. So auch bei unserem Angriff. Da haben wir noch Steigerungspotenzial bei der Durchschlagskraft und der Verwertung unserer Chancen.
Enorm helfen wird uns, dass Merten Krings wieder da ist. Wenn er fit ist, ist er eine starke Alternative zu Sören Südmeier. Aber auch wenn beide auf der Platte stehen, harmonieren sie bestens miteinander. Dass wir jetzt wieder mehrere Optionen haben, tut unserem Angriff richtig gut.

Was ist in dieser Saison möglich?
Bis Weihnachten werden wir sehen, wohin der Weg geht. Das gilt nicht nur für unser Team, sondern für alle Vereine, die im Augenblick im Dunstfeld der Spitze mitmischen. In der Rückrunde wird sich dann herauskristallisieren, wer bis zum Ende um den Aufstieg spielt.

Welche Teams hast du auf der Rechnung?
Coburg und Essen machen das bislang richtig gut. Die Gummersbacher sind nach holprigem Start mittlerweile voll in der Liga angekommen, sie werden eine große Rolle spielen. Bietigheim und Nettelstedt haben viele vor der Saison auf dem Zettel gehabt, ich würde die beiden Mannschaften auch noch nicht abschreiben.

Welchen Trumpf hat der ASV noch in der Hand?
Mut macht mir, dass wir die Teams, die oben stehen, in der Rückrunde bei uns in der WESTPRESS arena begrüßen. Mit unseren fantastischen Fans im Rücken sind wir richtig stark. Dann ist noch einiges möglich.

Am 30. Dezember steht ein Highlight an: In der Dortmunder Westfalenhalle trifft der ASV Hamm-Westfalen auf den traditionsreichen VfL Gummersbach. Worauf freust du dich besonders?
Die meiste Vorfreude ziehe ich aus der Partie gegen den HSV Hamburg im Jahr 2010. Wenn ich darauf zurückblicke, sind es nur positive Gedanken. Das geht aber nicht nur mir so: Egal mit wem ich darüber spreche – alle, die damals dabei waren, schwärmen bis heute. Und ich möchte, dass alle die, die in diesem Jahr dabei sind, auch in ein paar Jahren noch mit einem Grinsen im Gesicht davon sprechen. Das wünsche ich mir.
Zusätzlich wäre es überragend, wenn es bis dahin auch das Spitzenspiel ist, wonach es aktuell aussieht. Dann hätten wir nicht nur ein gesellschaftliches, sondern auch sportliches Highlight. Und wenn die Halle voll wird, tun wir auch noch etwas Gutes und helfen Oskar und seiner Familie. Das wäre die Krönung.

Was macht den Reiz der Dortmunder Westfalenhalle aus?
Die Atmosphäre! Wenn ich an die Spiele von Gummersbach im Europapokal in Dortmund zurückdenke – da war die Hölle los. Das wollen wir auch schaffen. Dann gelingt es uns auch, junge Leute mitzureißen, sie für den Handball zu begeistern.
Oder vielleicht auch mal Menschen aus dem Dortmunder Raum für unsere Sportart zu gewinnen. Denn mal abgesehen von den BVB-Frauen spielt Handball im Dortmunder Umfeld keine große Rolle. Da wollen wir gute Werbung machen, damit wir vielleicht auch das eine oder andere neue Gesicht bei uns in Hamm begrüßen können.

Welche strategischen Ziele hat der ASV Hamm-Westfalen?
Die wirtschaftlichen Möglichkeiten müssen immer im Blickpunkt bleiben. Davon ist stark abhängig, wie die sportliche Entwicklung verläuft. Entscheidend ist, dass wir finanziell weiter auf soliden Beinen stehen. Wir werden kein unvernünftiges Wettrüsten betreiben, sondern uns mit dem zur Verfügung stehenden Etat behaupten. Wirtschaftliche Umsicht bedeutet aber nicht, dass man nicht ambitioniert sein kann. Ganz im Gegenteil, wir wollen auf einer sicheren finanziellen Basis den maximalen Erfolg. Das ist keine leichte, aber eine enorm reizvolle Aufgabe.

Du bist seit 15 Jahren als Geschäftsführer im Amt. Hast du einen Traum?
Träumen ist zwar auch im Handball nicht verboten, doch für mich zählt immer nur die Realität. Nur ein Beispiel: Ich bin seit 25 Jahren beim ASV als Funktionsträger dabei. Angefangen habe ich, da war der Verein in der Verbandsliga. Wir haben dann gesagt: Lasst uns den Verein in höhere Klassen bringen. Das ist uns, das darf man schon so sagen, eindrucksvoll gelungen. Das war aber kein Traum, sondern ein realistisches Ziel.

Ist ein Ende der Ära Franz Dressel in Sicht?
Ich habe eine klare Vorstellung, wann ich die Geschäftsführung in andere Hände übergeben möchte. Doch so lange das nicht in trockenen Tüchern ist, möchte ich das nicht preisgeben. Nicht, dass mich die Leute noch aus der Halle jagen, falls es doch länger dauert. (lacht).

Vielen Dank für das Gespräch!