Música Criolla Venezolana aus den 1960er- und 70er-Jahren

Am Dienstag, 20. Februar (18 Uhr, Lutherkirche) reist der Klangkosmos einmal mehr in wärmere Gefilde: an die südamerikanische Karibikküste, nach Venezuela.

Vaca Mariposa (© Salaun)

Die Musik – genauer gesagt, der Gesang – spielt hier eine unglaublich wichtige Rolle. Man singt fast immer und überall: in der Natur, während der Arbeit und im Alltag, von Sonnenaufgang bis zum Einbruch der Dunkelheit. So erklingen die "Tonadas" der Hirten auf den großen Ebenen des Landes, A-cappella-Klagelieder, in denen sie die Landschaft, ihre Freuden und ihr Lied besingen. Bei der Feldarbeit wird ebenso gesungen wie beim Einbringen der Ernte, beim Dreschen des Getreides oder beim Schälen der Maiskolben. Die Tiere werden mit Gesang beruhigt oder zum Melken gerufen.

Bei Festen wird der Joporo gespielt, ein schneller Tanz, der mit Harfe, Maracas, Cuatro (kl. viersaitige Gitarre) und Bandola (birnenförmige Gitarre) intoniert wird, gesungen wird über Liebe, Verführung oder einfach über das Leben. Ebenso präsent sind Walzer und der Merengue mit seinem ungleichen 5/8-Rhythmus.

Venezolanische Musik ist eine schier unendliche Liebesgeschichte der Klänge, Rhythmen, Stimmen und Melodien, aber auch der Sprache, des Gesangs und der Poesie.

Der Bandname des Trios Vaca Mariposa bedeutet übersetzt in etwa "Schmetterlingskuh" und ist eine Huldigung der ländlichen Kultur in Venezuela. Er bezieht sich auf das berühmte Lied "El becerrito", in dem von einer Vaca Mariposa die Rede ist, die von Flora und Fauna dabei unterstützt wird, ihr Kalb vor den Menschen zu schützen. Die Figur ist allgegenwärtig in der venezolanischen Volksmusik und verdankt ihren Spitznamen den dunklen Fellflecken der Kühe, die an die Flügel von Schmetterlingen erinnern.

Das Repertoire des Ensembles ist von den traditionellen Formen der Música Criolla Venezolana inspiriert und besteht hauptsächlich aus Liedern der 1960er- und 70er- Jahre. Zu dieser Zeit endete die Diktatur und das Land kam durch den Erdöl-Export zu Wohlstand. Die Musikkultur definierte sich neu, brachte viele neue Stile und Lieder hervor. Aber auch Traditionelles wurde wiederentdeckt, neu bearbeitet und zeitgenössisch interpretiert. Das Trio Vaca Mariposa spielt die typischen Instrumente Venezuelas: Cuatro, Mandoline und Bandola, Maracas und Tambora (zylindrische, zweifellige Trommel), Harfe sowie Kontrabass und Gitarre. Aber auch die Klarinette ertönt von Zeit zu Zeit, um in eine Walzermelodie oder den Gesang zu akzentuieren. Diese Stimmungen schaffen im Konzert die reiche und klangliche Dichte, die so typisch ist für dieses große  Land.

Emmanuelle Saby ist Multi-Instrumentalistin (Klarinette, Flöten, Cuatro und Gesang) und Schauspielerin. Sie entdeckte die südamerikanische Musik bereits während ihres Studiums der Musik und des Tanzes am Konservatorium Lyon und bei Aufenthalten in Argentinien und Peru für sich.

Cristobal Soto lernte die venezolanische Volksmusik seit jungen Jahren mit seiner Familie, mit der er in Paris lebte. Er ist Autodidakt auf der Mandoline und Komponist. 1974 bis 1996 lebte er in Venezuela und war dort gefragter Begleitmusiker, seit 2001 lehrt und forscht er regelmäßig zu "Música criolla venezolana" in Paris für die Organisation SONAR.

Marius Pibarot hat klassische und Jazz-Violine in Paris studiert und spielt auch Schlagzeug, Bass und Mandoline. Er gehört zu den Musiknomaden und hat musikalische Forschungsreisen nach Mali, Indien, Nepal, Peru, Venezuela und in die Türkei und USA unternommen.

Das Konzert des Trios Vaca Mariposa beginnt um 18 Uhr in der Lutherkirche (Martin-Luther-Straße 27b, 59065 Hamm), der Eintritt ist wie immer frei!