Götz Alsmanns Rom im „Denkmal des unbekannten Vertäfelers“

Was hat der Mond von Wanne-Eickel mit Italien zu tun? Eine Frage, die sich wohl kaum jemand stellt, aber wenn, nur von Götz Alsmann so richtig beantwortet werden kann.

Im „Denkmal des unbekannten Vertäfelers“, wie er die Stadthalle Ahlen mit seinem unverwechselbaren Humor spitzbübisch getauft hat, trat er zusammen mit seiner Band am Donnerstagabend mit dem Programm „In Rom“ auf. Mehr als 400 Menschen in der gemütlichen Halle erlebten einen vergnüglichen Abend und gingen im wörtlichen Sinne „beswingt“ nach Hause. 

Götz Alsmann lehrt an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster als Honorarprofessor „Die Geschichte der Popularmusik“. Auf den Tag genau 7 Jahre nach seiner Antrittsvorlesung trat er nun in Ahlen an, um Ähnliches zu tun. Im Jahre 2011 begann er eine Trilogie, in der er zu den Wurzeln der populären Musik und somit auch des Schlagers der 50er und 60er Jahre aufbrach. Der erste Teil der Trilogie begann in Frankreich mit dem Album „In Paris“, der zweite Teil führte ihn an den Broadway und der dritte und aktuelle Teil nach Rom. Dabei suchte er immer legendäre Orte und Studios auf, so in Rom das altehrwürdige Studio von Enrico Morricone, dem Schöpfer unsterblicher Filmmusiken zu fast allen legendären Western.

Gerüchten zufolge war Alsmann zuvor noch nie in Rom, und ich meine, auch noch nie in Italien. Aber er fand sich in all seinen Vorstellungen, Erwartungen und Vorurteilen (die müssen ja nicht zwangsläufig negativer Natur sein) bestätigt. So auch hinsichtlich der italienischen Männer. Diese seien geboren, um Frauen die denkbar schönsten Komplimente zu machen und hätten somit beim weiblichen Geschlecht immer einen Stein im Brett, wie man so schön sagt, auch wenn so mancher Vertreter des männlichen Geschlechts optisch nicht gerade üppig von der Natur bedacht wurde. Freilich, auch deutsche Männer machen Komplimente, aber die kämen laut Alsmann eher im Stil von „Alle Achtung! Da ist aber jede Menge Musik in Ihrer Bluse“ daher und kämen folglich nicht ganz so gut an.

Und so moderierte „Götzimaus“, wie ihn Christine Westermann in „Zimmer Frei!“ gerne nannte, sehr unterhaltsam und äußerst charmant durch den Abend. Ach ja, Musik gab es natürlich auch. Da sich Alsmann als Bewahrer des guten alten deutschen Schlagers sieht, und es damals in den 50er und 60er Jahren üblich war, jeden internationalen Hit mit einem eigenen deutschen Text zu versehen, präsentierte er natürlich nur diese deutschen Varianten, jedoch nicht, ohne ihnen den typischen verswingten, jazzigen, manchmal auch verträumten typischen Alsmann-Sound zu verpassen. Klassiker, wie das untrennbar mit Italien verbundene „O Sole Mio“ aus dem vorletzten Jahrhundert, „Azzuro“, der für Adriano Celentano geschriebene Hit von 1968, oder „Quando Quando Quando“ kamen so verändert daher, dass es oft so manche Zeit dauerte, bevor man es erkannte. Das war allererste Sahne!

Nicht nur einmal kam dasselbe alte Feeling auf wie dereinst in den Ballsälen und Tanzschulen. Tief im Gedächtnis verbuddelte Bilder längst vergangener Zeiten förderte die Musik zu Tage. 

Und immer wieder begeisterte seine unverschämt gute Band. Altfrid M. Sicking verblüffte mit seiner Präzision am Vibraphon und Xylophon, spielte Trompete und das Glockenspiel, Markus Paßlick bediente ein ganzes Arsenal von Schlag-, Percussions- und Effekt-Instrumenten, Rudi Marhold am Schlagzeug und Ingo Senst am Kontrabass leisteten ganze Arbeit. Götz Alsmann spielte Ukulele und Mandoline, die laut Extra-Hinweis an die Presse acht(!) Saiten hat, und natürlich am Flügel, der laut Alsmanns augenzwinkernder Bemerkung annähernd gestimmt war.

Es war halt ein typischer „götziger“ Abend. Da waren die fünf Herren auf der Bühne, elegant im fliederfarbenen Jackett mit schwarzen Längsstreifen. Götz Alsmann beherrschte perfekt die Umgangsformen alter Schule, war immer unterhaltsam, kurzweilig, charmant und in seiner unvergleichlichen Art spitzbübisch und frech. Sein Programm zelebrierte er routiniert, äußerst professionell, fesselnd und oft sehr bewegend. 

Die italienische Musik war erstklassig, trotz oder gerade wegen der deutschen Schlagertexte. Er schlug den Bogen von klassischen Werken von Guiseppe Verdi bis hin zu den berühmten Gassenhauern vom Schlagerfestival in San Remo, das es seit nunmehr 60 Jahren bis heute gibt. Aber egal, was er sich musikalisch vornahm: in solch einer swingenden, jazzigen, rhythmischen oder schmusigen Weise hat man diese Melodien zuvor noch nicht gehört, schon gar nicht die Werke von Verdi. Man stellte sich unweigerlich die Frage: ist Götz der (uneheliche) Urururenkel von Guiseppe Verdi?

In der Ahlener Stadthalle kam fortwährend diese einzigartige mediterrane Atmosphäre auf. Man dachte an Vino Rosso, Grappa, Sonne, Sommer, Strand, Urlaub... und natürlich ganz viel Amore. 

So richtig taute das Ahlener Publikum aber bei Rocco Granatas „Marina“ auf, für mich der absolute Höhepunkt des Abends. Alsmann und Band boten eine derart schmissige, flotte Version dieses beliebten Klassikers, dass es einen kaum auf den Sitzen hielt. Dafür gab es völlig zu Recht frenetischen Applaus. 

Fazit: Es war ein wunderbarer Abend, der erst nach vier Zugaben endete. Keine Frage: die fünf Herren auf der Bühne mussten einfach waschechte Italiener gewesen sein! Und so ging man am Ende mit lauter Ohrwürmern im Kopf nach Hause. Volare... oho...