Von wegen "Seniorentanz"... AC/DC-Stimmung in Ahlen

Herzlich willkommen zum Seniorentanztee... das hatten wohl einige der überwiegend älteren Zuschauer im Vorfeld gedacht, als sie eine Karte für die nach eigenem Bekunden weltgrößte AC/DC-Tribute-Band „We Salute You“ gekauft haben. Doch für alle, die am Freitagabend in die Ahlener Stadthalle gekommen waren, wurde es eher zu einem Jungbrunnen!

Ja klar, natürlich war das rund 450 Leute starke Publikum mehrheitlich männlich und zählte eher zu den älteren Semestern, aber dennoch war es bunt gemischt. Sehr viele waren auch in voller Fan-Montur erschienen, Marke Rocker mit Kutte. So etwas hatten wir durchaus schon erwartet. 

Uns überraschte viel mehr das Bild, das die Stadthalle Ahlen abgab: nicht, wie sonst üblich, bestuhlt, kein Getränkeverkauf im Foyer, keine mehr oder weniger „aufgeräumte“ Bühne. Hier war alles auf ein Stehkonzert, auf Rock, auf Party ausgerichtet. Links neben der Bühne die Bar, rechts ein geöffneter Notausgang, der auf einen Balkon führte, für die Raucher, hinten der Merchandising-Stand und eine weitere kleine Bühne. Von wegen „Bitte kein Essen und Trinken in die Halle mitnehmen“, hier wurde ordentlich gebechert! So hatten wir die altehrwürdige Ahlener Stadthalle zuvor noch nie erlebt! 

Vor der Bühne harrten einige Zuschauer aus, so wie es sich gehört, um die besten Plätze zu sichern. Allerdings wirkten sie eher wie Patienten im Wartezimmer, oder waren es etwa die Ärzte selber, getarnt in voller Kutte? Auch die düstere Bühnen-Deko kündete etwas Besonderes an, mit schwarzen Vorhängen und dunkelblauem Licht, hinten eine riesige Leinwand mit den Namen der Band, und über der ganzen Szenerie hing die überaus große Glocke „Hell’s Bell“. Am linken und rechten Bühnenrand standen je drei Kanonen. Das alles sah schon äußerst vielversprechend aus! 

Durch einen Kommunikationsfehler wurden zwei unterschiedliche Anfangszeiten des Konzertes angekündigt, 20 Uhr und 20.30 Uhr. Deshalb bat die Band um Verständnis, dass man erst kurz vor halb 9 anfangen wollte. So richtig störte das niemanden, die Stimmung im Vorfeld war locker. 

Und dann ging es los! Laut, gewaltig, kräftig, energiegeladen! Mein Gott, das Kraftfutter, was die fünf Musiker zum Abendessen hatten, will ich auch! Sänger Grant Foster aus London sieht Brian Johnson nicht nur ähnlich, er kleidet sich auch so, hat dessen Stimme, Gestik und Mimik drauf! Gitarrist Nick Young erschien genauso wie das Original Angus Young in blauer Schuluniform mit Kurzhosen, weißem Hemd und roter Krawatte, dazu trug er eine wehende Matte auf dem Kopf. Wie Angus auch, fetzte er unentwegt über die Bühne, von links nach rechts und wieder zurück, motivierte wild gestikulierend das Publikum zum Grölen und Arme-in-die-Luft-Recken. 

Der dreifach mit Preisen ausgezeichnete Drummer Erwin Rieder rackerte im Hintergrund, der blutjung wirkende Rhythmusgitarrist Kili Locke und der wegen der typischen, allerdings grauen Mütze stark an Torsten Sträter erinnernde Bassist Baba Hail wirbelten im Vordergrund. Der Sound der Marshall-Verstärker und der entsprechenden Boxen war gigantisch, die Lautstärke grenzwertig, die Ohren schmerzten fast bei Fosters hohem Gesang. Die Lichtshow hatte höchstes Niveau. 

Und dann diese Energie!!! Der Boden bebte unter den Füßen! Der Dampfrock von AC/DC wurde sowas von authentisch rübergebracht und riss einen unwiderruflich mit, dem konnte man sich nicht entziehen. Wie gut, dass „We Salute You“ auf eine heutzutage oft obligatorische Konzertpause verzichteten und über zwei Stunden durchspielten. 

Die großen Gassenhauer wie „Highway To Hell“, „You Shook Me All Night Long“ und „Hell’s Bells“ - hier senkte sich eindrucksvoll die riesige Glocke herab - durften natürlich nicht fehlen, wie auch die für eine AC/DC-Show üblichen Dönekes. Nick Young brachte den Saal bei „Bad Boy Boogie“ zum Überkochen. Erst haute er einige unwiderstehliche Soli auf seiner Gitarre heraus, dann motivierte er ohne Gitarre das Publikum, und schließlich begann er auch noch einen Striptease, bei dem am Ende nur die kurze Hose übrig blieb. Doch damit nicht genug: er stand seinem Vorbild in nichts nach und zog blank! Das Publikum raste! Den Rest des Abends bestritt er nur mit der kurzen Hose bekleidet. 

Kurz vor dem Ende des regulären Sets, bei dem Schlussstück „Let There Be Rock“, ein Kracher, der einen endgültig den Atem raubte, verließ Young die große Bühne und rannte quer durch das Publikum zu der hinteren, kleinen Bühne, wo er weiterspielte. Danach wanderte er Gitarre spielend quer durch die Massen wieder zurück zur großen Bühne, um dort noch eine Schüppe draufzulegen. Unglaublich! Sensationell! Welch ein Abgang! 

Natürlich kam die Band nicht um Zugaben herum. Mit Donnergrollen wurde „Thunderstruck“ eingeleitet, es folgten T.N.T. und natürlich „For Those About To Rock (We Salute You)“, das Stück, das der Band den Namen gab und für das ja die Kanonen auf der Bühne stehen. Jetzt allerdings nicht nur die permanent sichtbaren 6 Kanonen links und rechts, sondern sage und schreibe weitere 15(!) Kanonen hinter der Band. Welch ein Aufwand für eine Tribute-Band! Kaum zu glauben! Einziger Wermutstropfen hierbei: aus zwei Gründen hatte man auf die Pyro-Effekte in den Kanonen verzichtet: Man wollte dem Publikum nicht die schädlichen Emissionen in dem geschlossenen Saal zumuten, und man wollte die teuren Marshall-Verstärker schützen. So kam dann nur immer eine kleine Qualmwolke aus letztlich allen Kanonen, der große Knalleffekt blieb aber aus. Das war etwas enttäuschend, dafür hatte die Band selbst die Messlatte in den gut zwei Stunden zuvor zu hoch gehängt und auch mit den Kanonen intensiv geworben. Schade! 

Und wo wir gerade bei den wenigen Wermutstropfen sind: Das Publikum hielt dem extrem hohen Niveau der Veranstaltung nicht immer stand. Das dauernde Zücken der Smartphones zum Filmen (Wozu eigentlich im Hochformat? Oder stellt man daheim den Fernseher quer auf die Seite?) war ein permanentes Ärgernis und zeigte, dass völlig zu Unrecht immer nur der Jugend dieser Vorwurf gemacht wird. Und angesichts der begeisternden Show fiel mir der frenetische Applaus nach den Stücken oft auch etwas zu spärlich aus. Ob die Zuschauer da wohl zu sehr mit den Smartphones beschäftigt waren? Das lassen wir an dieser Stelle mal offen... 

Fazit des Abends: Auch ein derart aufwändiges Rockkonzert hat die Ahlener Stadthalle vorzüglich gestemmt. Mit „We Salute You“ hat sie darüber hinaus ein goldenes Händchen bewiesen, die Band war einfach große Klasse! Daher noch einmal unser Appell an die Hammer: Ihr kritisiert immer am zu geringen kulturellen Angebot in Hamm herum. Ob dieser Vorwurf überhaupt gerechtfertigt ist, lass ich mal dahingestellt. Wenn ihr das aber so seht, dann habt doch mal ein offenes Auge für die tollen Veranstaltungen unserer Nachbarstädte. Und zusammen mit dem kulturellen Angebot unserer Heimatstadt ergibt das dann ein überzeugendes Gesamtpaket, oder? 

Und zum guten Schluss noch die Setlist vom Freitagabend:

1. Back in black

2. Hell ain‘t a bad place to be

3. Rock 'n' Roll train

4. Dirty deeds done dirt cheap

5. If you want blood (you’ve got it)

6. Stiff upper lip

7. You shook me all night long

8. Sink the pink

9. Shoot to thrill

10. Hard as a rock

11. Bad boy boogie

12. Problem child

13. Hell’s bells

14. The Jack

15. Riff Raff

16. Rock or bust

17. Highway to hell

18. Whole lotta Rosie

19. Let there be rock

Zugaben

20. Thunderstruck

21. T.N.T.

22. For those about to rock

Hinweis des Autors: Ich höre inzwischen wieder ganz gut...

Weitere Fotos vom Konzert in Ahlen