„The Dire Straits Experience“ in Lünen

Mein Gott! Was war das denn? Ich bin noch immer total geplättet! Die Werbung machte ja schon Appetit, aber was den unzähligen Zuschauern im ausverkauften (!) Heinz-Hilpert-Theater in Lünen geboten wurde, war der absolute Hammer. Das hatten wir nie und nimmer erwartet!

Die Band „The Dire Straits Experience“ mit dem Original-Dire Straits-Mitglied Chris White, der laut meiner Frau bestaussehende Mann auf der Bühne (kein Wunder, er sah ein wenig so aus wie Richard Wright von Pink Floyd), entpuppte sich nicht etwa als Cover- oder Tribute-Band, die stumpf die Hits von Dire Straits nachspielt, sondern quasi als Reinkarnation der Band. Da werden Songs nicht einfach nachgespielt, da wird ein echtes Dire Straits-Konzert gespielt. Die Songs werden, wie es sich bei einem ordentlichen (!) Konzert gehört, verändert, sprich variiert, verlängert oder in anderem Stil gespielt, wie es die Originale bei ihren Konzerten auch tun, die guten zumindest, zu denen die Dire Straits zweifelsohne gehörten.

Da standen sieben superprofessionelle Musiker allererster Güte auf den Brettern, allen voran der erste Gitarrist Terence Reis, der Mark Knopfler in nichts nachstand. Da seine Stimme und sein Auftreten auch noch an Knopfler erinnern, war die Illusion perfekt. Chris White spielte von der Querflöte bis zu den verschiedenen Saxophonen alle Blasinstrumente und war für die Percussion zuständig. Da er recht gut Deutsch spricht, wechselte er sich bei der Moderation mit Reis ab. Dessen Zusammenspiel mit dem zweiten Gitarristen Tim Walters klappte vorzüglich. Am Schlagzeug sitzt nicht mehr Originalmitglied Chris Whitten, wie ich irrtümlich ankündigte, sondern der hervorragende Andrew Hawkins. Den Bass zupft Paul Geary, zudem runden zwei vorzügliche Keyboarder das Septett ab, John Maul und an diesem Abend offenbar als Ersatz für Rob Taggart, wenn ich es richtig verstanden habe, Steve Turner.

Die große Theaterbühne wurde komplett für das professionelle Equipment, die sieben Musiker und die unauffälligen Zuarbeiter benötigt. So wechselte Reis ständig, auch während der einzelnen Stücke, seine Gitarren, von denen ihm ein wahres Arsenal zur Verfügung stand. Der Tonmeister stand ebenfalls auf der Bühne, dezent im Halbdunkel, konnte aber bei (von den Zuschauern nicht bemerkten) Problemchen von einem Bühnenmitarbeiter, der dezent im Hintergrund hockte, entsprechend aufgesucht werden. Beeindruckend auch die Lichtshow, die auf sehr angenehme Weise die neblige Bühne mal in rot, blau, lila oder andere Farben tauchte. Und dann der tolle Sound! Die Trommel in der Mitte von „Private Investigations“ ging voll auf das Zwerchfell! Stimmen und Instrumente kamen klar, unaufdringlich laut und perfekt abgemischt rüber. Auch das war hochprofessionell.

Das Publikum war vom ersten Stück verblüfft. Das sah man den Leuten an, die sofort tosenden Beifall spendeten, sich begeistert zunickten und eifrig tuschelten. Auf dem Tourplakat steht „The Dire Straits Experience - You get a shiver in the dark“. Da stimmte jedes Wort! Die Begeisterung des Publikums sprang sofort auf die Band über, die vor Spielfreude strotzte und sichtlich großen Spaß an dem Abend hatte. Das überwiegend ältere Publikum hielt es irgendwann nicht mehr auf den Sitzen, es gab bereits mittendrin Standing Ovations und es wurde eifrig im Rhythmus mitgeklatscht.

Als letztes Stück kam, wie sollte es anders sein, „Sultans of swing“, an dessen vermeintlichem Ende das Publikum begeistert aufsprang. Doch die Band nahm das Stück während der Ovationen nochmal auf und trieb es wild weiter, bis es in einem grandiosen Finale endete. Ganz großes Kino! Natürlich mussten zwei Zugaben her, „Money for nothing“ und „Local hero“ aus dem wunderbaren gleichnamigen Kinofilm, dessen Soundtrack eigentlich von Mark Knopfler allein stammt, das aber bereits früher auf den Konzerten der Dire Straits gespielt wurde. Dann endete der Abend endgültig, nach fast zweieinhalb Stunden erstklassiger Musik! Ein gut gelauntes, sichtlich glückliches Publikum verließ das Theater.

Mich beschäftigte der Abend jedoch noch weiter. Ich wollte mehr Informationen über diese fantastische Formation. Und wieder wurde ich überrascht: Die Band war schon mehrfach auf Tourneen in Australien, Neuseeland, Israel, Ägypten, Malaysia, Indien, den Bahamas und in quasi allen europäischen Ländern von Finnland bis Portugal, von Frankreich bis Russland. Sogar zweimal auf den Kanaren und auf den Azoren gab man Konzerte. Demnächst soll es nach Mosambik gehen. Nach Städten wie Berlin, Hamburg oder Köln kam man in Deutschland nun in die „Weltstadt“ Lünen, was man angesichts eines ausverkauften großen Theaters und eines euphorischen Publikums nicht bereuen dürfte. Schon morgen beginnt eine ausführliche Tour durch die Niederlande. Holla die Waldfee!

Zum Repertoire gehörten Stücke aller sechs Studioalben, egal ob Ballade oder Rock‘n‘Roll. Am beeindruckendsten waren Telegraph Road, Private Investigations, Once upon a time in the west, Your latest trick, Local hero und Tunnel of love. Aber auch die Hits wie Walk of life, Money for nothing, Romeo and Juliet oder On every street standen dem in nichts nach.

Fazit: Wenn ihr irgendwann mitbekommt, dass The Dire Straits Experience auftreten, und ihr Dire Straits liebt, dann geht unbedingt da hin! Ihr werdet begeistert sein. Und noch eine Anmerkung: Im Heinz-Hilpert-Theater Lünen haben wir eigentlich immer ausschließlich allerfeinste musikalische Kost geboten bekommen. Die haben da ein äußerst feines Näschen für gute Künstler und gute Musik!

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