Rede und Antwort für Katharina Bellgardt

Katharina Bellgardt vom „Westfälischen Anzeiger“ hat anlässlich der Einweihung unseres neuen Studios ein Interview mit Sendeleiter Ralf Grote geführt. In der Zeitung musste das aus Platzgründen etwas gekürzt werden. Lest hier die komplette Fassung…

Simon Brinkmann (l.) und Olaf Graap testen die neuen Aufnahmemöglichkeiten.

HAMM - Seit über 12 Jahren nutzen die ehrenamtlichen Radiomacher der Radio Runde Hamm ihr Studio in den Räumlichkeiten der St. Barbara-Klinik. Jetzt ist es renoviert worden und so ein komplett neues Aufnahmestudio entstanden, das Interessierten alle Möglichkeiten bietet – unter kostenloser Anleitung oder eigenständig – Produktionen für den Bürgerfunk zu erstellen.

Am heutigen Samstag, 4. November, öffnet die Radio Runde Hamm erstmals nach dem Umbau zwischen 12 und 18 Uhr für die Öffentlichkeit ihre Studiotüren. Welche Vorteile bietet das neue Studio und was macht den Bürgerfunk eigentlich so besonders? Darüber hat WA-Mitarbeiterin Katharina Bellgardt mit Ralf Grote, Sendeleiter der Radio Runde Hamm, gesprochen.

Seit 12 Jahren arbeiten Sie im Studio in der St.-Barbara-Klinik, jetzt wurde renoviert. Welche Veränderungen bringen die neuen Räumlichkeiten mit sich?
Ralf Grote: Wir sitzen noch in den altbewerten Räumlichkeiten, aber das Studio wurde verbessert: Vor allem das neue Mobilar fällt optisch ins Auge, und es gibt neue Technik. Auch ist der Raum schalldicht gemacht worden. Es sind die ehemaligen Räumlichkeiten vom Krankenhausfunk und -fernsehen. Für den Umbau haben Henrik Frost und Simon Brinkmann besonders viel gearbeitet. Im Prinzip haben wir nun ein Selbstfahrerstudio: Man kann jetzt noch professioneller arbeiten und Musiker, die zu Gast sind, können einfach ihre Gitarren mitbringen und mal was live einspielen.

Wie hat sich die Radio Runde Hamm mit den Jahren entwickelt?
Grote: Die Radio Runde gibt es seit es die Lippewelle Hamm gibt, also seit 27 Jahren. Wir haben viele gesetzliche Veränderungen mitgemacht. So stehen uns sieben Stunden in der Woche Sendezeit zu, wir können also jeden Tag der Woche eine Stunde senden und müssen von unserem festen Sendeplatz nur für Liveübertragungen der Lippewelle weichen, wie beispielsweise zu Wahlen. Der Bürgerfunk wird nur verschoben, er fällt nie aus und durch unsere späte Sendezeit um 21 Uhr können wir werbefrei bleiben. Das alte Motto „Bürgerfunk ist kunterbunt“ gilt auch 2017 noch. Wir haben Sendungen für alle. Unser Team hat Mitarbeiter zwischen 19 und 75 Jahren. So haben wir einen alten Hasen, der eine Jazz-Sendung für die erstaunlich große Jazzszene Hamm macht. Aber auch die Sendungen für Countryfreunde sind wieder frisch belebt und es gibt Magazinsendungen zu verschiedensten Themen. Unser Herzstück bleibt aber das Konzept, dass Bürgerinnen und Bürger oder Vereine mit uns Radio machen können. Bestimmte Themen, die bei der Lippewelle nur ein kurzer Beitrag wären, können so bei uns eine ganze Stunde bekommen und es kostet nichts, da wir ehrenamtlich arbeiten. Wir können auch mobil vor Ort aufnehmen und sind wie ein großes Radio und die Profis, nur ein bisschen kleiner. Wir sind der akustische Leserbrief. Bei uns kommen die Bürger selbst zu Wort, sie können ihre Meinung frei äußern, müssen aber auch mit Gegenargumenten rechnen. Beim Bürgerradio haben wir die Chance bestimmten Nischen abzudecken. Ich bin etwa ein großer Beatlesfan und kann ein monatliches Beatles-Magazin machen.

Was war Ihnen für den Umbau besonders wichtig und warum?
Grote: Die Fördergelder der Landesmedienanstalt Düsseldorf ermöglichten uns den Umbau, um als Servicestelle Bürgerfunk offensiv Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen. Dafür haben wir die Technik verbessert. Jetzt sieht es bei uns sehr professionell aus und unsere Qualität hat einen weiten Sprung nach vorne gemacht. Der Ton klingt nicht mehr blechern und als ob er bei Oma auf dem Sofa produziert wird.

Welche Chancen sehen Sie im erneuerten Studio?
Grote: Wir haben jetzt die Chancen Leuten wirklich zu zeigen, welche Möglichkeiten sie bei uns haben. Viele verbinden uns immer noch mit der Lippewelle, aber wir senden nur aus ihrem Vorgarten und sind unabhängig. Mit dem neugestalteten Studio wollen wir neue Leute für den Bürgerfunk begeistern, etwa durch Radioworkshops. Wir werden vom Land gefördert und können unseren Kreis erweitern. Wir freuen uns auf frischen akustischen Wind. Die Arbeit beim Bürgerradio kann jungen Menschen als Einstieg dienen, journalistisch weiter zu arbeiten und auch von uns bescheinigt werden.

Was motiviert Sie persönlich Radio zu machen?
Grote: Mich motiviert die Möglichkeit Radio für die Allgemeinheit zu machen. Wir dürfen die Frequenz der Lippewelle nutzen und können die Hörerschaft mitnehmen. Dabei können wir über Nischenthemen berichten und Musik machen, die auf der Lippewelle nicht laufen würde und erreichen trotzdem viele Hörer. Das ist für mich die schönste Motivation.