Pink Floyds "sterbliche Überreste" in Dortmund

Ich bin ja in unserem Radio-Team der „Beatle“… „Floydianer“ – und damit Pink Floyd-Fan – ist da eher der Kollege Martin Begett. Klar, dass er schon zur Eröffnung der „Pink Floyd Exhibition – Their Mortal Remains“ nach Dortmund gepilgert ist.

Das eine oder andere Foto hat er schon Mitte September im „Dortmunder U“, das die Ausstellung zeigt, gemacht und im Nachgang in seiner Sendung „Wundertüte“ in einer bemerkenswerten mehrstündigen Sendereihe die Geschichte von Pink Floyd erzählt, aber einen Bericht für unsere Homepage schreibt jetzt der „Beatle“… und das mache ich gerne, weil ich doch immer noch ziemlich geflasht von dieser Ausstellung bin.

Pink Floyd und Dortmund? Dass „Their Mortal Remains“ gerade in Dortmund und ansonsten in keiner anderen deutschen Stadt zu sehen ist, hab ich mich schon im vergangenen Jahr gefragt. David Gilmour, Nick Mason, Richard Wright und Roger Waters hegen aber schon seit den 70er Jahren eine gute Beziehung zur Ruhrgebietsstadt. 1977 startete die Band mit zwei Konzerten in der Westfalenhalle ihre damalige Tour zum Album „Animals“ in Dortmund und – unvergessen – vier Jahre später folgten dort acht „The Wall“-Auftritte. 

„Their Mortal Remains“, was übersetzt „Ihre sterblichen Überreste“ heißt, ist seit dem 15. September 2018 in der sechsten Etage im „Dortmunder U“ zu sehen und zeigt rund 500 Ausstellungstücke, die nicht nur das Herz des „Floydianers“, sondern das eines jeden Musikinteressierten höher schlagen lassen. Ein multimediales Erlebnis, das in dieser Form zuvor nur in London und Rom gezeigt worden ist. Knapp 30 Euro Eintritt (ermäßigt ist man mit gut 23 Euro dabei) klingen zwar verdammt happig, aber letztlich lohnt sich jeder Cent, ist „Their Mortal Remains“ doch ein mehrstündiges Vergnügen. Ich hatte mich daher schon am Vormittag auf den Weg von Hamm nach Dortmund gemacht und stand gegen 11 Uhr bereits in einer anständigen Warteschlange beim Ticketkauf. Vor dem Betreten der „Exibition“ sollte man auf jeden Fall seinen „Audio-Guide“ anlegen, der einen dann binnen weniger Sekunden in die psychedelische Welt von Pink Floyd beamt. Los geht es in den frühen Tagen der Band in Cambridge und endet schließlich mit der Würdigung des 2008 verstorbenen Keyboarders Richard Wright. Chronologisch mit zahlreichen Effekten ziehen die Ausstellungsbesucher auf 1.000 Quadratmetern an den 15 Studio-Alben (darunter zwei Soundtracks) zwischen 1967 und 2014 vorbei. Ich persönlich habe Pink Floyd über ihre Longplayer „Dark Side Of The Moon“ (1973), „Wish You Were Here“ (1975) und „The Wall“ (1979) in den 70er Jahren entdeckt… ich bin selbst überrascht, wie ich dabei das 1977 veröffentlichte Album „Animals“ so gut wie gar nicht beachtet habe. Das hat sich aber inzwischen geändert. Von daher haben gerade die frühen Jahre der Band heute doch einen starken Eindruck bei mir hinterlassen… und das liegt nicht nur daran, dass 1967 als Pink Floyd ihr Debüt aufnahmen, nebenan die Beatles im gleichen Studio an „Sgt. Pepper`s“ gearbeitet haben.

Absolute Hingucker der Ausstellung sind u.a. die Präsentation von „Dark Side Of The Moon“, der große aufgeblasene Lehrer von „The Wall“ oder die markanten „Division Bell“-Köpfe. Der Musikfan schaut indes etwas genauer hin, und ist begeistert von Originalinstrumenten, Song-, Bühnen- oder Coverskizzen, die durchweg faszinierend in Szene gesetzt sind. Herrlich auch die zahlreichen Video-Sequenzen, die einem das Gefühl vermitteln, die Band würde persönlich durch ihren Nachlass führen. Einfach nur schön, wie Gilmour und Waters – unabhängig voneinander – das Entstehen des Songs „Wish You Were Here“ erzählen oder wie man Gilmour bei einem Besuch in den Abbey Road-Studios zusehen und –hören kann, wie er seine legendären Riffs von „Shine On You Crazy Diamond“ oder „Run Like Hell“ spielt. Und wer schmunzeln möchte, sollte sich in Ruhe das Entstehen des Covers von „Animals“ anschauen… bei dessen erstem Versuch ein aufgeblasenes Schwein flüchtete. 

Die Ausstellung spart natürlich auch nicht die schwierigen 80er Jahre der Band mit den Alben „The Final Cut“ (1983), dem Ausstieg von Roger Waters und „A Momentary Lapse Of Reason“ (1987) aus. Ich selbst entdeckte Pink Floyd dann auch erst 1994 mit dem Album „The Division Bell“ wieder. Damit habe ich zumindest Gilmour, Mason und Wright auch noch live gesehen. Nachdenklich wird man indes auf den letzten Metern der Ausstellung… „The Endless River“ aus dem Jahre 2014 ist definitiv das finale Album von Pink Floyd und eine Hommage an Richard Wright. Das macht es schon ein wenig traurig, im Kopf bleibt aber das Bild, das zum Schluss gezeigt wird: David Gilmour, Roger Waters, Nick Mason und Richard Wright Arm in Arm nach ihrem letzten gemeinsamen Auftritt 2005 bei der Neuauflage des „Live Aid“-Konzertes in London. Aber nicht nur das… wer sich einige Stunden Zeit nimmt und durch „Their Mortal Remains“ in die Musik von Pink Floyd abtaucht, wird eindrucksvoll feststellen, was diese Band in 50 Jahren für Meisterwerke hinterlassen hat. Ich werde mir in aller Ruhe nun auch alle anderen Floyd-Alben in Ruhe anhören und dabei die Bilder vom heutigen Tage vor Augen haben.

Fazit: Ab ins „Dortmunder U“, die Ausstellung ist noch bis zum 10. Februar dort zu sehen und ist stets gut besucht. Übrigens, Kollege Begett kam gestern an einem zweiten Besuch nicht vorbei.

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