Neue Folk-„Saiten“ mit Same Suki

Im Oktober bleibt der Klangkosmos Hamm auf dem europäischen Kontinent, am 16.10. (18 Uhr, Lutherkirche) geht die Reise ins nordöstliche Nachbarland Deutschlands, nach Polen.

Same Suki (© Bartek Muracki)

Schon der Name des Damen-Quartetts "Same Suki" verheißt Klangvolles, bezieht er sich doch auf ein altes polnisches Saiteninstrument aus der Region Biłgoraj im Südosten des Landes, die Biłgoraj Suka. Einer Violine ähnlich, mit drei oder vier Saiten, wird sie mit Fingernageltechnik gespielt – eine seitliche Berührung des Nagels erzeugt einen ganz besonderen Klang mit vielen Mikrotönen: klar, hell und stark.

Andererseits ist der Name zugleich hintergründige Anspielung, inspiriert durch den Hund einer der Musikerinnen, der den Namen Biłgoraj trägt. In der osteuropäischen Mythologie steht die Hündin für eine Frau, die ihre Kraft kennt, die Mut hat, sie selbst zu sein, die kreativ und unabhängig ihre Wege geht. Sie passt in keine Schublade, ist unkonventionell und setzt sich ihre Grenzen selbst. So versteht sich das Ensemble als ein Zusammenschluss von vier verschworenen Frauen, die selbstbewusst, hemmungslos und unkonventionell ihre Musik spielen und Geschichten mit vielseitigen weiblichen Stimmen erzählen.

Same Suki übersetzen die traditionelle polnische Folkmusik in eine zeitgenössische Sprache. Die Stücke ihres Repertoires sind anders und klingen anders, basieren aber auf uralter Folk-Poesie und Lyrik. Dabei sind keine Themen tabu, soziale und gesellschaftliche Probleme werden angesprochen, darunter auch vermeintliche "Frauenfragen", die nach allgemeiner Meinung besser nur hinter verschlossenen Türen diskutiert werden sollten. Alle vier sind versierte Musikerinnen, haben klassische Instrumente, Gesang und Perkussion studiert. Sie eint ihre Liebe zur traditionellen Volkmusik und dem dazugehörigen Instrumentarium verbunden mit dem Wunsch, Brücken ins Hier und Heute zu schlagen.

Same Suki gewannen u. a. 2012 den wichtigsten Preis der polnische Folkmusik, den "Nowa Tradycja" des Polnischen Radios sowie 2013 den Publikumspreis beim Internationalen Festival "Mikołajki Folkowe" in Lublin, wo sie für ihre herausragende Musikalität, die außergewöhnlich visionäre Bühnenpräsenz, für die kühnen, tabubrechenden Themen ihres Repertoires und ihren innovativen Einsatz traditioneller Folkinstrumente ausgezeichnet wurden.   

Helena Matuszewska (Biłgoraj Suka, Rebab, Violine) ist in verschiedenen Musikgenres zuhause, besonders fasziniert ist sie von polnischem Folk, Musik des Nahen Ostens und lokalem Crossover der Weltmusik. Außerdem schreibt sie Gedichte und Lieder, entwirft Kostüme für Theaterstücke und Schmuck, malt und tanzt.

Kamila Borowiak (Violoncello) ist stilistisch ebenfalls in unterschiedlichen Genres zuhause, darunter Klassik, Pop und Ethnomusik.

Patrycja Napierała (Bendir, Cajon, Udu) ist Spezialistin diverser Perkussionsinstrumente und eine der führenden Musikerinnen der polnischen Ethnoszene, die mit zahlreichen Bands verbunden ist. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Genres Ethno und Folk.

Magdalena Wieczorek-Duchewicz (Gesang) arbeitete mit Jazzmusikern zusammen, sang aber auch religiöse afro-kubanische Musik. Des Weiteren interessiert sie sich für Kunstlied-Formen, die sie auch schon auf Festivals präsentierte. Ihre Leidenschaft aber gilt der Volksmusik, die in ihrer Kindheit zu Hause gesungen wurde.

Das Konzert von Same Suki beginnt um 18 Uhr in der Lutherkirche (Martin-Luther-Straße 27b, 59065 Hamm), der Eintritt ist wie immer frei!