Mumien. Der Traum vom ewigen Leben

Am 3. Dezember 2017 eröffnet das Gustav-Lübcke-Museum in Hamm seine neue Sonderausstellung „Mumien. Der Traum vom ewigen Leben“ mit Mumien aus aller Welt, über 100 Ausstellungsstücken, 3D-Animationen und der Wiederauferstehung der „Hammer Mumie“.

Gruftmumien aus der Dominikanerkirche in Vác, Ungarn, 18. Jahrhundert, © Naturhistorisches Museum Budapest

präkolumbische Mumiengruppe einer Frau mit zwei Kindern, 12.‒14. Jh. n. Chr., andine Küstenregion, Südamerika, © Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Jean Christen

Die Idee zur aktuellen Ausstellung

Die Ausstellung wurde durch die Arbeit des German Mummy Project in Mannheim inspiriert. Dieses Projekt ist ein interdisziplinäres, an den Reiss-Engelhorn-Museen verortetes Forschungsprojekt, in dem seit Anfang 2004 Anthropologen, Anatomen, Ärzte, Chemiker, Physiker, Biologen, Genetiker und Spezialisten verschiedener anderer Disziplinen zusammenarbeiten. Ziel ist es, anhand moderner Forschungsmethoden die Geheimnisse einzelner Mumien zu lüften und wichtige Erkenntnisse über Lebensgewohnheiten, Krankheiten und Bestattungssitten längst vergangener Kulturen zu gewinnen.

Der Begriff „Mumie“

Jeder denkt bei dem Begriff „Mumie“ als erstes an die konservierten Leichname der ägyptischen Pharaonen. Filme, Wissenschaftssendungen und Bücher geschäftigen sich mit diesem Thema. Diese Definition stammt noch aus früherer Zeit. Heute wird der Begriff viel breiter gefasst. Jeder Körper, bei dem noch Weichteile, Haut oder Haare vorhanden sind, wird als „Mumie“ bezeichnet – also jeder Körper, bei dem der Verfallsprozess nach dem Tod aufgehalten oder verhindert wurde. Dies kann nicht nur durch Einbalsamierung, sondern auch durch natürliche Umstände eingetreten sein.

Naturmumien entstanden ohne das Eingreifen des Menschen. Die Körper sind unabsichtlich erhalten geblieben, sie verstarben in Naturräumen. Chemische, physikalische und klimatische Gegebenheiten verhinderten die Verwesung des toten Körpers mehr oder weniger. Die Mumien aus Wüstengebieten, Höhlen, Eis, Salz und Mooren verdeutlichen anschaulich dieses unabsichtliche Ergebnis. 

Von diesen natürlich und unabsichtlich entstandenen Konservierungen unterscheidet sich die bewusst durch den Menschen hervorgerufene Erhaltung des Körpers.  Diese Mumifizierung ist ein altbekanntes Phänomen auf der ganzen Welt, Mumien werden auf allen Kontinenten gefunden. Sie bezeugen das Wissen um die Gesetze der Sterblichkeit und den Kampf dagegen. Wenngleich Leben nicht bewahrt werden kann, kann doch zumindest die äußere Erscheinung lebensecht erhalten und der Zerfall des Körpers gestoppt werden.

Die Ausstellung in Hamm zeigt alle Facetten

Die Schau im Gustav-Lübcke-Museum präsentiert das Thema „Mumien und Mumifizierung“ umfassend. Die natürlich entstandene Mumifizierung ist ebenso Thema wie die bewusst hervorgerufene Bewahrung der Körper durch das Eingreifen der Menschen.

Der Besucher erfährt bei einem Gang durch die Kulturen Vieles über die unterschiedlichen Mumifizierungstechniken in Ägypten, Asien, Ozeanien, Südamerika und Europa, denn die Gründe für eine Mumifizierung sind vielfältig und kulturell ganz unterschiedlich. Sie reichen von der Notwendigkeit, einen Körper für eine lange Aufbahrung oder das spätere Begräbnis zu konservieren über das Wachhalten des Gedenkens an den Toten bis zu dem Glauben an ein Weiterleben, für das die Erhaltung des Körpers Bedingung ist. 

Die über 100 Objekte stammen aus internationalen Museen wie dem Drents Museum Assen, dem Hungarian Natural History Museum in Budapest, dem Naturhistorischen Museum Basel, dem Naturkundemuseum Kassel, den Reiss-Engelhorn Museen Mannheim und dem Roemer- und Pelizaeus Museum Hildesheim.

Modernste 3D-Animationen ergänzen die Schau

Unterstützt wird die Schau durch 3D-Animationen verschiedener Objekte, die neu gewonnene Untersuchungsergebnisse ausdrucksvoll ins Bild setzen.  

Auferstehung der bedeutenden „Hammer Mumie“

1881 sorgte der sensationelle Fund von etwa 50 Mumien in einem Versteck in der Nähe der ägyptischen Stadt Luxor weltweit für Aufsehen. So stieg auch in Hamm das Interesse an Ägypten sprunghaft an und führte 1886 zur Gründung eines Mumienvereins, der Aktien zum Erwerb einer ägyptischen Mumie ausgab. Am 14. Dezember 1886 traf die legendäre „Hammer Mumie“ in der Stadt ein und wurde in einer Gaststätte ausgestellt.

Kurz vor seiner Auflösung 1887 übergab der Mumienverein dieses erste ägyptische Original dem ebenfalls 1886 gegründeten Museumsverein. Leider fiel die Mumie 1944 den Kriegszerstörungen zum Opfer. Bis heute zeugte nur noch ein Foto von ihrer Existenz. Der Erhalt dieses Fotos ist ein Glücksfall, denn dadurch konnte mit Hilfe modernster Technik ein 3D-Druck erstellt werden. Dieser Druck ist nun erstmals in der aktuellen Ausstellung zu sehen. Nach gut 70 Jahren ist die „Hammer Mumie“ auf dieser Weise wieder auferstanden.