Bosse: „Krasse Hütte“ in Münster

„Kurz vor Bumms ist das Dingen ausverkauft“, freut sich Axel Bosse sichtlich, als er am Samstagabend auf die Bühne der Halle Münsterland in Münster tritt, um mit Dota Kehr den Support seiner aktuellen „Alles ist jetzt“-Tour anzusagen.

Axel Bosse in Münster (alle Fotos: Ralf Grote)

Valentine Romanski

Dota Kehr

Dass der Haupt-Act den Support persönlich ansagt, gehört zu den besonderen Wertschätzungen in Musikerkreisen, aber eigentlich ist das für einen Typen wie Axel „Aki“ Bosse fast schon selbstverständlich… dieser Mann ist dermaßen sympathisch und bodenständig, dass man ihm jedes Wort abnimmt. Danach gehört Dota und ihrer dreiköpfigen Band zunächst für eine gute halbe Stunde die Bühne.

Kurz vor 21 Uhr ist dann Startschuss für das fünfte Konzert von Bosse in diesem Jahr, und nach nur wenigen Sekunden ist den 6000 in der Halle mehr als deutlich, dass „Aki“ und seine sieben musikalischen Mitstreiter tatsächlich den „Bock“ haben, den der Frontmann bereits bei der Ankündigung von Dota versprochen hat. Zum Opener „Wanderer“ ist der Laden bereits bester Stimmung und darf sich über die ersten Tanzeinlagen des 39-jährigen freuen. Vor Jahren galt es für viele Konzertbesucher in Deutschland als Highlight, wenn Herbert Grönemeyer zum Tanzen ansetzte… Leute, vergesst es, und auch, wenn Euch eine abgedrehte Jury bei „Let`s Dance“ erklären möchte, was gutes Tanzen ist, vergesst es ebenfalls, und schaut Euch diesen Axel Bosse an: Der tanzt dermaßen emotional und voller Freude, dass Ihr nicht zuschaut, sondern mittanzt und einfach nur Spaß habt.

Seine Songs laden fast durchgängig zum Nicht-Ruhig-Stehen ein, und wenn sie dann mal etwas bedächtiger sind, singen sie 6000 Menschen lautstark und fast andächtig mit.

Und Bosse ist einfach nur spürbar begeistert, erinnert sich an die ersten Auftritte gegenüber im „Jovel“… vor weitaus weniger Publikum, und „heute seid Ihr so krass viele“. Seit fast 15 Jahren veröffentlicht er als Bosse seine Songs, und so ist die aktuelle Playlist der Tour auch eine wundervolle Reise durch seine Kompositionen. Nach zwei Songs aus dem aktuellen Album, ist die Nummer 3 mit „Du federst“ ein Song aus dem Jahre 2011. Bis dato hat Bosse insgesamt sieben Alben veröffentlicht, von denen er mit den letzten beiden – „Engtanz“ (2016) und „Alles ist jetzt“ (2018) – so richtig durchgestartet ist. Beide erreichten Platz 1 und haben dazu geführt, dass seine Anhängerschaft merklich angewachsen ist. Trotzdem sind viele im Publikum, die ihn seit Jahren begleiten und das durch absolute Textsicherheit beweisen.

Bosse ist aber nicht nur Party, Gefühl und Herz, sondern macht an der einen oder anderen Stelle auch nachdenklich. Im 2018er Song „Robert De Niro“ zum Beispiel, mit dem er sich deutlich gegen Rechtspopulismus positioniert. „Mir hat in den letzten Jahren die Kotze bis zum Hals gestanden“, erklärt Axel Bosse dem Publikum zu seinen Gründen, diesen Song zu schreiben, und erntet dafür lautstarken Beifall. Gleiches gilt für sein Engagement für Viva con Agua, das Menschen weltweit den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht.

Mit Songs wie „Tanz mit mir“, „So oder so“ und „3 Millionen“ erreicht der Stimmungspegel einen nächsten Höhepunkt, dem sich eine akustische Version von „Istanbul“ und die aktuelle Single „Ich warte auf Dich“ anschließen. Bei „Kraniche“ mischt sich Bosse dann zum Singen ins Publikum, das sich dabei in die Hocke setzt. Mit einem lautstarken „Schönste Zeit“ aus dem Jahre 2013 endet dann der Hauptteil ehe es dann in die Zugaben geht.

Die starten mit den Songs „Vier Leben“ und „Ich bereue nichts“ sehr emotional. Sicherlich gewünscht, animiert Bosse bei „Vier Leben“ so sehr zum Mitsingen, dass das Ganze schon fast an einen Kanon erinnert. Als das Lied dann aber beendet ist, macht das Publikum so lange weiter, dass die Band erneut einsetzen muss… und als der Song schließlich durch ist, klingt die Halle Münsterland fast wie ein Fußballstadion, als 6000 Menschen „Ole Ole, Aki Bosse, Ole, Aki Bosse, Ole“ skandieren. Das treibt dem Sänger tatsächlich die eine oder andere Träne in die Augen, bevor es dann mit dem nachdenklichen – aber wunderschönen – „Ich bereue nichts“ im Duett mit Sängerin Valentine Romanski weitergeht.

Mit den schwungvollen Titeln „Overkill“ und dem Klassiker „Frankfurt Oder“ geht der Abend auf seine Zielgerade, aber zwei hat die Band noch… „Alter Strand“ aus dem Jahre 2009 sowie noch einmal „Ich warte auf Dich“ („Wir haben noch nicht so viele Songs“, witzelt Bosse), aber diesmal in einer finale Akustikversion.

Was für ein tolles Konzert – und was für ein – ich weiß, es klingt abgedroschen – netter Mensch, dieser Bosse. Es macht einfach riesigen Spaß, wenn jeder der 6000 Menschen nach Hause fährt und sagt: „Die haben aber echt Bock gehabt!“ Bosse selbst zeigt sich auch angetan: „Was für eine krasse Hütte hier!“

Fazit: In „Vier Leben“ singt Axel Bosse: „ Ich renn, als hätten wir vier Leben, doch wir haben nur eins. Als könnten wir vier Leben leben, als müssten wir überall sein.“ Einmal im Leben solltet Ihr es aber auf jeden Fall zu einem Bosse-Konzert schaffen… wir werden unser Leben auf jeden Fall auf ein weiteres Bosse-Konzert ausrichten. Danke dafür!

Weitere Fotos

Playlist vom 16. März 2019 in Münster:

Wanderer

Alles ist jetzt

Du federst

Dein Hurra

Robert de Niro

Die Nacht

Tanz mit mir

So oder so

3 Millionen

Istanbul

Ich warte auf dich

Kraniche

Augen zu, Musik an

Die Befreiung

Schönste Zeit

Zugabe:

Vier Leben

Ich bereue nichts

Overkill

Frankfurt Oder

Alter Strand

Ich warte auf dich (Akustische Version)