Laibach hauchen der Christuskirche den "Sound Of Music" ein

Nun sind sie also zurück. Mit ihrer Interpretation des Hollywood Musicals „Sound of Music“, welche Laibach 2015 als erste westliche Band im abgeschotteten Nordkorea bei zwei Konzerten aufführten, nun am Samstag in der Christuskirche in Bochum.

Nach einer 30 minütigen Wartezeit, akustisch untermalt durch Vogelgezwitscher, Schafsgeblöke und muhende Kühe und so eine Verbindung zu Österreich und damit zu Sound of Music, dem Titel der aktuellen Tour, aufbauend, betreten Laibach die Bühne und eröffnen das Konzert mit ihrem gleichnamigen Cover „Sound of Music“ vor einem in Kirchenbänken sitzendem Publikum.

Zunächst fällt auf, dass sich die Besetzung der slowenischen Band verändert hat. Neben dem Schlagzeuger, den beiden Keyboardern Luka Jamnik und Rok Lopatic und Sänger Milan Fras, betritt ein Gitarrist (Vitja Balžalorsky) die Bühne und bearbeitet sein Instrument auch mal mit einem Geigenbogen. Es fehlt Mina Špiler, die charismatische Sängerin von Laibach. An ihrer Stelle erscheint nun Marina Mårtensson in schwarzem, hochgeschlossenem, klassischen Kleid und hochgesteckter Frisur und gibt den Songs aus „Sound of Music“ mit ihrer glockenhellen Stimme ihren ganz eigenen Klang. Dies steht in absoluten Kontrast zu Milan Fras´ tiefer grollender Stimme. Milan trägt im Gegensatz zu Marina Mårtensson ein weißes, bodenlanges Gewand. Nach Liedern wie „Do-Re-Mi“ und „Edelweiss“ folgt „My favorite things“. Absolut grotesk erscheint es, den Sänger einer Ur-Industrial-Band über cream-colored ponies and crisp apple strudels als seine „favorite things“ singen zu hören, während an die Wände der Kirche bunte Ponys, Apfelstrudel, Schnitzel und Campbelldosen im Popart-Stil projeziert werden. Weiter geht es mit weiteren Songs aus „Sound of Music“, bevor den ersten Teil des Konzertes „Arirang“, das beliebteste Volkslied und die inoffizielle Hymne von Gesamtkorea, beschließt.

Der zweite Teil beginnt nach laibachtypisch durch Countdown festgelegter, exakt 15 minütiger Pause ohne Marina Martensson.

Milan Fras hat sein weißes Gewand abgelegt und erscheint jetzt wieder in gewohntem schwarzen Jacket. Laibach reißen das Ruder komplett rum und geben ihre frühesten Songs zum Besten. „Mi kujemo bodocnost“ ("Wir schmieden die Zukunft"), erschienen 1985, dem düsteren „Smrt za smrt (Death for Death)“, „Nova Akropola“ aus dem gleichnamigen Album von 1986. Besonders erfreut mich der nächste Song, ebenfalls von 1986: Vier Personen. Es gibt keine festen Mitglieder von Laibach, sondern es ist ein Kollektiv. Dieses besteht immer aus vier Personen mit den Namen Eber, Keller, Dachauer und Salinger.

Zum Schluss des zweiten Teils des Konzertes erscheint Mina Špiler dann doch noch: als übergroße Projektion auf der Kirchenwand, „Ti, ki izzivas“ (Du, der herausforderst) durchs Megafon schreiend.

Dann verlassen Laibach die Bühne, allerdings nur für kurze Zeit, da das Publikum lautstark nach Zugabe fordert.

Laibachs Interpretation von Rolling Stones' „Sympathy for the devil“, deutlich langsamer als das Original, absolut düster und teuflisch sowie optisch untermalt durch über die Kirchenwand marschierende Truppen in Abwechslung mit dem Konterfei Putins.

Dann betritt Marina Mårtensson wieder die Bühne, diesmal mit Lockenkopf und Fransenlederweste und trägt mit ihrer großartigen Stimme „The coming Race“ aus dem Film „Iron Sky“ in bester Bluesmanier vor. Mit dem letzten Ton dieses Liedes beschließt Milan Fras diesen Song mit den simplen Worten: „Let`s make Earth great again".

Zum furiosen Abschluss spielt Marina auf der Akustikgitarre und singt mit Milan Fras - dieser nun mit COWBOYHUT!!, ohne natürlich seine Kopfhaube abzusetzen :) – „Surfing through the galaxy“.

Laibach ziehen sich vom Ort der Darbietung unter stehendem Applaus der etwa 460 Zuschauer zurück und hinterlassen ein Gefühl von: WOW