Krieg und Frieden – Haydns und Mendelssohns Musik

Säbelrasseln und Kanonendonner, aber auch die eindringliche Bitte um Frieden – was zu Haydns und Mendelssohns Zeit brandaktuell war, ist es auch heute noch.

Neue Philharmonie Westfalen (Foto: Pedro Malinowski)

Lothar Mayer und seine Chöre (Konzertchor Städtischer Musikverein Hamm und Philharmonischer Chor Siegen) bringen Joseph Haydns furchteinflößende Kriegsszenarien und Felix Mendelssohn-Bartholdys hinreißend innige Friedensbitte am Samstag, 9. März, um 19.30 Uhr mit der Neuen Philharmonie Westfalen im Kurhaus Bad Hamm auf die Bühne.

Die Solistenpartien werden von Katharina Borsch (Sopran), Lina Hoffmann (Alt), Tobias Glagau (Tenor) und Jan Schulenburg (Bass) gesungen.

Haydns "Missa in tempore belli" wurde bekannt als "Paukenmesse". Sie entstand 1796. Wien war erfüllt von Kriegsangst. 1797 marschierte Napoleon dann tatsächlich in die Steiermark ein. Völlig neu war damals Haydns Mut, ein so weltliches Thema wie den Krieg zum Thema eines Musikwerks zu machen, das als Teil einer Messe aufgeführt wurde.

Haydn war gerade von Nikolaus II. Esterházy gebeten worden, aus England zurückzukehren und Kapellmeister des wieder neu ins Leben gerufenen Esterhazy-Orchesters zu werden. Nikolaus verlangte seinem Kapellmeister nicht viel ab: Routinedienste in der Regel. Nur ein Anlass war ihm einen besonderen Wunsch wert: Der Namenstag von Fürstin Josepha Maria sollte immer mit einer neuen Messe gefeiert werden. Die mutige "Messe in Kriegszeiten" entstand aus diesem Anlass. Europa litt damals unter Not, Elend, Hunger und der Furcht, von feindlichen Truppen überfallen und besiegt zu werden. Heute – so möchte Lothar Mayer mit dem Programm um Kriegsrealität und Friedenswunsch deutlich machen, ist immer noch der Krieg alltägliche Erfahrung, der Friedenswunsch immer gegenwärtig – nur außerhalb von Europa. Haydns und Mendelssohns Musik sind heute so aktuell wie damals.

Die "Militärsinfonie" lässt Soldaten mit Pauke, Triangel, Becken und großer Trommel aufmarschieren. Ihre Uniform ist allerdings keine französische, sondern eine türkische. Die Sinfonie, die in England zur beliebtesten aller Haydn-Sinfonien wurde, knüpft an die türkische Janitscharenmusik an. Sie wurde nach 1720 als Folge mehrerer Türkenkriege Venedigs und Österreichs vor allem in Wien als "Türkische Musik" beliebt, als exotische Kunsteinflüsse modern wurden. Haydns Zeitgenossen hörten aber wohl eher französische Kanonen darin. Die Sinfonie wurde 1794 bei den "Salomon´s Concerts" in den Londoner Hanover Square Rooms uraufgeführt. Der Morning Chronicle berichtet: "Es ist das Anrücken zum Gefecht, der Marsch der Männer, das Geräusch des Ladens, der Donner des Beginns, das Klirren der Waffen, das Stöhnen der Verwundeten und das, was man als das höllische Gebrüll des Krieges bezeichnet – gesteigert zu einem Höhepunkt von scheußlicher Eindringlichkeit!"

Lothar Mayer schließt das Programm versöhnlich mit Mendelssohns Kantate "Verleih uns Frieden gnädiglich", die um politischen und sozialen Frieden bittet. Sie ist eine von insgesamt acht Choralkantaten nach den Texten Martin Luthers und zeichnet sich durch eine hinreißend warme Tongebung aus. Robert Schumann liebte die kleine Kantate und würdigt ihren Platz unter den großen Meiserwerken der Musikgeschichte 1840: "Das kleine Stück verdient eine Weltberühmtheit und wird sie in Zukunft erlangen; Madonnen von Raphael und Murillo können nicht lange verborgen bleiben."

Karten für den klangstarken Konzertabend gibt es beim Kulturbüro der Stadt Hamm, allen Eventim-Vorverkaufsstellen und im Web-Shop unter www.hamm.de/kultur