Das „Lehrerkind“ zu Gast in Hamm

Wenn es nicht einfach ist, ein Lehrerkind zu sein, so hat es Bastian Bielendorfer gleich dreifach getroffen. Das selbsternannte „Lehrerkind Stufe 3“ (Mutter Lehrerin an der Grundschule, Vater Lehrer am Gymnasium und der Onkel als Direktor) gastierte am 11.05.2019 im Maximilianpark Hamm.

Bastian Bielendorfer in Hamm

Bastian Bielendorfer in Hamm

Nach dem Auftritt nimmt sich das "Lehrerkind" immer viel Zeit für seine Fans.

„Eigentlich war es wie bei jeder Familie. Man sitzt gemeinsam am Frühstückstisch, die Eltern stehen auf, ziehen sich an, um auf die Arbeit zu fahren… nur ich musste mit“, berichtete Bielendorfer aus seiner Kindheit. Die Anekdoten und Geschichten aus seiner herrlich unterhaltsamen Familie sind allerdings nicht verantwortlich für gelangweilte Mienen im Hammer Publikum, welches sich vor Lachen teilweise nicht mehr auf seinen Sitzen halten konnte. Auch wenn einige Geschichten durch mitleidige Ausrufe untermalt wurden, z.B. als Bastian erzählte, dass der Vater ihn am 1. April lediglich mit einer Unterhose bekleidet in die Grundschule gehen ließ, weil Tag der Solidarität mit Afrika sei, schaffte der Comedian es, die Geschichten kurzweilig und amüsant zu präsentieren.

Wer Bastian Bielendorfer schon im Jahr 2015 vor knapp 30 Leuten im Schloss Oberwerries bestaunen durfte, hatte beim aktuellen Programm „lustig, aber wahr!“ ordentlich etwas zu staunen. Bielendorfer präsentierte vor vier Jahren eines seiner Bücher und schaffte es schon dort, durch einige erzählte Spitzen aus seinem Leben zu unterhalten. Die Form der Lesung hat Bielendorfer nun gänzlich abgelegt und erscheint mit einem kompletten Stand-Up-Abendprogamm, was als absoluter Erfolg zu werten ist. Knapp 600 Zuschauer aus Hamm jubeln dem „dicken blonden Jungen“, wie er sich selbst nennt, zu. Das lässt auch den Künstler des Abends nicht kalt: „Hamm ist die Stadt meiner Entwicklung. Das erste Mal war ich hier im Schloss Oberwerries und hab ein bisschen was aus meinem Buch vorgelesen. Letztes Jahr war ich hier in der kleinen Halle im Maxipark, vor knapp 300 Leuten. Und Hamm – guckt euch heute Mal um!“ Am Ende richtet er noch stolze Worte per Videonachricht an seinen Vater: „Papa, nächstes Jahr füllen wir hier in Hamm das Stadion…die haben zwar keins, aber ist egal!“

Neben Geschichten von seinem Vater und seiner Mutter, die ebenfalls schon in den Bestsellerbüchern Bielendorfers thematisiert wurden (z.B. „Lehrerkind: lebenslänglich Pausenhof“), hat der Comedian das Repertoire in seiner aktuellen Show um einiges erweitert. So erzählt er neben den skurrilen Geschichten seiner Großmutter und seinem Hund Otto, auch von seinem Heiratsantrag, der durch eine Horde nackter Holländer durchkreuzt wurde. Die Art und Weise, wie Bastian es schafft, seine Geschichten zu erzählen, lässt die Hammer nicht zweifeln: sowas kann man sich nicht ausdenken!

Bielendorfer schafft es immer wieder Belege dafür zu finden, dass seine Familie tatsächlich so verrückt ist, wie immer von ihm behauptet wird. Kürzlich postete er über seine Sozialen Medien beispielweise ein Foto von Briefen, die sein Vater regelmäßig an den Pieper-Verlag schickte, um die Bücher von Bastian nochmal zu korrigieren.  Die Anekdoten stammen immer mitten aus dem Leben, sodass auch Nicht-Lehrer herzlich was zu lachen haben.

Allerdings schafft Bastian es auch ernste Themen zu beleuchten. Nachdem er erzählte, dass er derjenige in der Schule war, der von dem schielenden Jungen mit dem Pflaster über dem Auge geschlagen wurde, machte er sein Publikum sensibel für das Thema: „Ja, ich war mit meinem Lispeln und dem Übergewicht in der Schule wie eine Gazelle in der Savanne, die sich mit BBQ-Sauce einreibt und wartet, bis die Löwen kommen, um sie zu reißen […] aber auch dann ist es nicht okay, wenn man zu Menschen so ist. Und sagt niemanden: Ignorier die Anderen einfach! Das funktioniert nicht. Bietet eure Hilfe an, schreitet ein, wenn ihr Mobbing mitbekommt – das gibt es überall, nicht nur auf dem Schulhof!“ Für diesen ernsten Einschub erhält er einen langen Beifall und schafft es mit seiner Art, spielend zwischen Ernst und Witz zu wechseln.

Dies sorgt auch dafür, dass Bielendorfer nach beendeter Show mit einem tosenden Applaus verabschiedet wird, nachdem er in seiner Zugabe über die ominöse Krankheit Morbus Kobold referierte. Mit dieser einmaligen und witzigen Geschichte verwies Bielendorfer auf seinen Podcast „Alliteration am Arsch“, welchen er mit Richard Remford ins Leben rief. Wem also die Show von Bielendorfer noch nicht genug war, kann sich mit dem Podcast die Zeit vertreiben, bis zum 30.05.2020 – dann kehrt Bielendorfer nämlich mit einer Zusatzshow seines aktuellen Programms nach Hamm zurück! Und wer weiß, vielleicht schafft er es 2021 dann tatsächlich ins Stadion – wir haben nämlich tatsächlich eins, Bastian!