„Backbeat“ im Kurhaus Bad Hamm

Für viele fängt die Geschichte der Beatles eigentlich erst im Herbst 1962 mit der Veröffentlichung der Single „Love Me Do“ an. Prägend für die Band waren aber durchaus die beiden Jahre zuvor…

Impressionen der "Backbeat"-Aufführung in Hamm

…die die Beatles in Hamburg auf der Reeperbahn mit Auftritten im „Indra“, „Kaiserkeller“, „Top Ten Club“ und „Star Club“ verbrachten. Diese zum Teil wirklich „wilde Zeit“ wurde bereits 1994 von Iain Softley und Stephan Jeffreys mit „Backbeat“ verfilmt. Seit 2011 gibt es „Backbeat“ als Bühnenstück, das in London aufgeführt wurde. Franz-Joseph Dieken holte die Beatles-Geschichte dann drei Jahre später dahin zurück, wo sie hingehört… nach Hamburg. Dieken inszenierte „Backbeat“, das von Dagmar Windisch ins Deutsche übertragen wurde, für das Altonaer Theater. Die deutsche Erstaufführung fand mit großem Erfolg am 27. Juli 2014 statt. Die Bühnenfassung von „Backbeat“ hat sich inzwischen von Hamburg aus auf den Weg gemacht und machte am Sonntagabend im sehr gut besuchten Kurhaus Bad Hamm Station.

Das zehnköpfige Ensemble ließ in der über zweieinhalbstündigen Inszenierung trotz konstantem Bühnenbild keinerlei Langeweile aufkommen. Das mag an der dokumentarisch-spannenden Geschichte liegen, an der kraftvollen live gespielten Musik, aber auch an den knackig-intensiven Dialogen der Darsteller. Wer sich vorher noch nicht so eingehend mit der Geschichte der Beatles beschäftigt hat, wird sich zu Beginn gefragt haben: Wer ist denn dieser Stuart Sutcliffe? John Lennon hatte seinen Freund einfach in die Band genommen, obwohl dieser gar kein Instrument spielen konnte. Lennon brachte Stuart einige Griffe auf dem Bass bei, das sollte reichen…

In der Besetzung John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Pete Best und Stuart Sutcliffe kamen die Beatles am 17. August 1960 erstmals nach Hamburg und erlebten das Treiben auf der Reeperbahn hautnah mit. Man darf nicht vergessen, dass ein George Harrison zu jener Zeit erst 17 Jahre alt gewesen ist. 

In Hamburg lernen die jungen Musiker aber auch den Künstler Klaus Voormann (Sebastian Prasse) und die Fotografin Astrid Kirchherr (Uta Krüger) kennen. Stuart und Astrid verlieben sich. Ihre Liebesgeschichte bildet neben der musikalischen Entwicklung der Beatles den roten Faden der Aufführung. Einige Jahre später schriebt John Lennon den Song „The Ballad Of John & Yoko“, die Geschichte von Stuart und Astrid hätte auch einen Song verdient gehabt, so aber ist „Backbeat“ eine emotionale Hommage ihrer Beziehung.

Songs wie „Long Tall Sally“, „Slow Down“, „Rock And Roll Music“, „Money“ oder „I Saw Her Standing There“ reißen das Publikum immer wieder mit, andererseits bietet „Backbeat“ aber auch Szenen, in denen das Kurhaus absolut ruhig ist, wie beim Tod von Stuart Sutcliff oder bei der Kündigung von Pete Best.

„Backbeat“ bietet viele kleine Höhepunkte, wie z.B. die verschiedenen „Twist And Shout“-Varianten, in die sich Paul und John regelrecht hineinsteigern, oder wie beide gemeinsam den Song „Love Me Do“ entwickeln. Auch wenn es nur ein Schauspiel ist, so mag die Zusammenarbeit des genialen Songwriter-Duos Lennon-McCartney durchaus funktioniert haben.

Was diese Aufführung auch sehenswert macht, ist die Tatsache, dass die Musiker die Beatles nicht zwanghaft gestenreich nachmachen (wie bei Tribute-Shows, z.B. der Cavern Beatles), sondern die Beatles spielen. Von daher ein ganz dickes Lob an die schauspielerische und musikalische Leistung von Marcel Rodriguez (Stuart Sutcliffe), Johannes Merz (John Lennon), Delio Malär (Paul McCartney), Florian Clyde (George Harrison) und Yannik Meyer (Pete Best).

Für viel Schmunzeln hat aber am Abend in Hamm Joseph Reichelt gesorgt. Der Schauspieler brillierte durch seine vielen verschiedenen Rollen, ob als pöbelnder Zuschauer, Bert Kämpfert, Ansager oder gar zum Schluss als Ringo Starr.

„Backbeat“ ist eine packende Inszenierung, die zwar am Sonntag verstärkt das Ü60-Publikum angelockt hat, sich aber durchaus für alle jüngeren lohnt, die den späteren Erfolg der Beatles verstehen lernen möchten.

Fotos der Aufführung in Hamm